Urdorf

Thomas und Angela Grob wollen mit ihrem Zopf eine Medaille holen

Das Urdorfer Ehepaar Angela und Thomas Grob nimmt zum zweiten Mal am Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte teil.

s duftet nach frischem Brot und nach Hefe. Auf dem Tisch liegen zahlreiche Teigballen. Angela Grob rollt die Masse, es entstehen längliche Stränge. In Windeseile verwandeln sie und ihr Mann Thomas diese in Zöpfe. «Man darf gar nicht so viel überlegen und ja nicht anhalten», sagt Thomas Grob, während er die Teigstränge immer wieder überkreuzt. Er habe in seinem Leben sicher schon über eine halbe Million Zöpfe hergestellt. «Ich bin so geübt, dass ich das auch blind machen könnte», sagt er. Innert kurzer Zeit ist die Arbeitsfläche mit Zöpfen belegt. «Thomas macht sie kompakter als ich. Die Enden sind bei ihm gleich dick», sagt Angela Grob.

Jede Woche produzieren sie 400 bis 600 Zöpfe

Jede Woche produzieren die beiden 400 bis 600 dieser Steinofenzöpfe in der Backstube ihres Hofs in Urdorf. Damit aber nicht genug: Das Ehepaar stellt aus lokalen und hofeigenen Erzeugnissen über 180 Produkte her, die es im Hofladen anbietet oder an Lebensmittelhändler verkauft. Neben dem Obst- und Gemüseanbau finden die Grobs auch noch Zeit für 1800 Legehennen. Und als wäre das nicht genug, betreiben die beiden auch einen Catering- und Partyservice. «Der Tag hat manchmal einfach zu wenig Stunden», sagt Thomas Grob und lacht.

Zu alledem nehmen die Grobs nun auch am Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte am 27. September in Cinémont bei Delémont teil (siehe Zweittext). Sie treten mit elf Produkten in diversen Kategorien an. Dazu gehören Rahmquarkspätzli, Peperoncini- und Knoblauchbutter, Hackbraten, Maisbrot, Brownies, Paniermehl, Bienenhonig, Rotkraut, Rhabarber-Chutney und der Steinofenzopf. «Für jedes Produkt müssen wir zwölf Degustationsportionen liefern, damit die Jury sie testen kann», sagt Thomas Grob. Derzeit backen und produzieren die Grobs also auch für den Wettbewerb, der jedes zweite Jahr stattfindet.

Vor zwei Jahren nahmen die Urdorfer neben rund 1100 anderen Produzenten zum ersten Mal teil und erhielten für ihren Zopf, das einzige Produkt, mit dem sie damals antraten, prompt die Bronzemedaille. Auf den setzen sie auch dieses Mal. «Mit dem Zopf wollen wir wieder eine Medaille holen», sagt Thomas Grob. Doch sie würden sich auch Chancen für den Hackbraten, das Rotkraut und die Spätzli ausrechnen.

«Wir sind schon etwas nervös»

«Natürlich wäre es schön, wenn wir für jedes Produkt oder zumindest in jeder Kategorie eine Medaille kriegen würden», sagt Thomas Grob. Als er die Produkte angemeldet habe, sei er sehr siegessicher gewesen. «Doch nun, wo der Wettbewerb näher rückt, sind wir schon etwas nervös. Die Konkurrenz ist gross.» Zudem würden die vorgegebenen Kategorien es ihnen nicht leicht machen. «Wir treten zum Beispiel mit unseren Rahmspätzli in der Kategorie Milchprodukte gegen Butter oder Quarktorten an. Das wird je nach Vorlieben der Jury schwierig», sagt Thomas Grob. Hervorheben würden sie sich durch den ausgewogenen Geschmack ihrer Produkte. «Wir legen Wert darauf, dass die einzelnen Zutaten nicht zu dominant sind.» Zudem verzichte man auf Zusätze wie Konservierungsmittel. «Wir arbeiten lieber mit Öl, Salz, Zucker und Essig.»

Für die Herstellung der Produkte benötigen die Grobs je einen halben bis einen Tag Arbeit. Unterstützt werden sie dabei tatkräftig von ihrer Familie. «Mein Vater bereitet derzeit das Rotkraut zu», verrät Angela Grob. Den Aufwand nimmt das Ehepaar gerne in Kauf.

Sich mit anderen Produzenten messen

«Es ist für uns wichtig mitzumachen, um uns mit anderen Produzenten zu messen und um zu sehen, wo wir stehen», sagt Thomas Grob. Der Wettbewerb sporne zudem auch an, das Beste aus dem Produkt herauszuholen, und biete eine gute Plattform, um weitere Abnehmer zu erreichen. «Wenn wir gut abschneiden, ist das eine gute Referenz für uns und auch eine Bestätigung für unsere Arbeit», sagt Angela Grob und holt die erste Ladung goldbrauner Zöpfe aus dem Steinofen heraus. Ihr Vater Titus Gallo hat in der Zwischenzeit fünf Kilo Rotkraut gekocht. Nun muss es abkühlen, bevor es vakuumiert und nach Delémont gebracht werden kann. Eine Portion zum Probieren stellt Gallo auf den Tisch. Thomas Grob kostet davon: «Ich finde es sehr lecker. Jetzt muss es nur noch den Geschmack der Jury treffen.»

Autor

Sibylle Egloff

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