Der Zürcher SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Chef Roger Köppel hatte die Messlatte hoch gelegt: Schon bald nach der Lancierung seiner Ständeratskandidatur kündigte er eine Tournee durch den ganzen Kanton an. Unter dem Motto «Roger Köppel spricht» tourt er nun seit April durch die 162 Zürcher Gemeinden. Der SVP-Ständeratskandidat spricht während des Wahlkampfs nahezu ausschliesslich an eigens von ihm und für ihn organisierten Veranstaltungen – diese Woche beispielsweise im Hotel Geroldswil und im Singsaal der Oberstufe Elsau-Schlatt.

Köppel gibt sich so als Wahlkämpfer zum Anfassen. «Sie können alles fragen», lässt er sein Publikum auf den Einladungs-Flyern wissen. Und setzt gleichzeitig seine Themen. «Stopp der Plünderung des Mittelstands», heisst es da, und «Kein EU-Unterwerfungsvertrag», «Rot-grüne Klimadiktatur. Nein danke!», gefolgt vom Mantra seiner Partei: «Masslose Zuwanderung stoppen».

Fast alle Ständeratskandidaten haben ihre Wahlkampftermine auf ihren Websites veröffentlicht. Vergleicht man die Art der Auftritte, zeigt sich, welche Zielgruppen sie ansprechen wollen. Köppels Agenda ist deutlich: Er zielt, abgesehen von ein paar Podiumsauftritten, primär auf ein Publikum ab, das nur ihn sehen will. Weit über die SVP-Stammwählerschaft dürfte er damit nicht hinauskommen.

Anders halten es die wieder antretenden Ständeräte Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP): Sie treten auch abseits der grossen Wahlpodien gemeinsam auf. Zum Beispiel an Veranstaltungen in Herrliberg und Niederweningen, die die jeweiligen Ortsparteien der SP und der FDP zusammen organisiert haben. Die Botschaft liegt nahe: Wer Jositsch wählt, kann auch Noser wählen – und umgekehrt.

Dennoch sind Noser und Jositsch keine Einheit. Jositsch gibt sich mit Auftritten an Chilbis, Quartier- und Dorffesten als volksnaher Sozi. So ist er am Röntgenplatzfest in Zürich ebenso angesagt wie am Strassenfest in Niederhasli, an der Schwamendinger Chilbi und am Herbstmarkt in Meilen. Doch die Auftritte an gemeinsamen SP-FDP-Veranstaltungen lassen auch seine liberale Ader durchschimmern. Das macht sein Politprofil erkennbar: Jositsch, der Sozialliberale.

Handkehrum gibt sich Noser mit Auftritten bei Firmen wie Biolog AG in Stammheim oder Scheider Umweltservice AG in Volketswil als unternehmerisch und ökologisch denkender Politiker zu erkennen: Noser, der grüne Liberale. Er versucht dem Angriff der Grünen und der GLP, die bei den kantonalen Wahlen im Frühling abräumten, standzuhalten.

Ökologische und weibliche Alternative

Verkörpert wird dieser Angriff von den Ständeratskandidatinnen Marionna Schlatter (Grüne) und Tiana Moser (GLP). Kantonsrätin und Kantonalparteipräsidentin Schlatter hat ihre Agenda ebenfalls online gestellt. Die Grüne bewegt sich – abgesehen von den üblichen grossen Wahlpodien – mehrheitlich im grünen und grünliberalen Umfeld. Konkret: an Parteianlässen der Grünen, aber auch an der Lancierung der Operation-Libero-Kampagne diese Woche in Zürich sowie am GLP-Talk mit Moser Anfang September in Uster.

Während sich Jositsch und Noser als bewährtes Doppelpack anbieten, tun dies zumindest ansatzweise Schlatter und Moser als ökologische und weibliche Alternative zu den Bisherigen, so der erweckte Eindruck. Wobei allerdings Moser auf ihrer Website nicht angibt, wann und wo sie im Ständerats-Wahlkampf öffentlich auftritt.

Bleiben noch Nicole Barandun (CVP) und Nik Gugger (EVP). Sie kandidieren ebenfalls fürs Stöckli, gelten aber als relativ chancenlos. Baranduns Wahlkampf-Auftritte jenseits der grossen Podien reichen vom Schlierefäscht und Witiker Dorfmärt über die Gewerbeschau Höngg bis hin zu CVP-Anlässen. Gugger hat keine längere Agenda mit Wahlkampfauftritten veröffentlicht.