Limmattal

Tunnel durch den Heitersberg: Jetzt beginnt das Lobbying

Zwischen dem Limmattal und dem Reusstal soll eine Querverbindung in Form eines Strassentunnels entstehen. (Symbolbild)

Die Idee einer neuen Achse zwischen Limmat- und Reusstal nimmt Fahrt auf. Das Komitee «Vorwärts Limmattal» will das Thema aufs politische Parkett bringen.

Mit den Fäaschtbänklern auf der Bühne tanzte Dietikon am 1. August zwar leichtfüssig in die Nacht. Aber die Tanzfreude täuscht nicht darüber hinweg, dass der Schuh drückt. Und zwar beim Verkehr.

«An der Steinmürlistrasse befürchten viele eine Verkehrszunahme wegen der Limmattalbahn. Auf diese Sorge wurde ich an der Bundesfeier verschiedentlich angesprochen», sagt Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP). Die Steinmürlistrasse ist eine der Dietiker Strassen, die besonders unter dem Durchgangsverkehr ächzen. So wie die Reppischbrücke, die jetzt erneuert wird.

Ein Rezept gegen den vielen Durchgangsverkehr hat Bachmann bereits. Eine neue Querverbindung zwischen dem Limmattal und dem Reusstal soll Dietikon, Bergdietikon, Spreitenbach und die ganze Region entlasten. Erst im Juli hatte das Komitee «Vorwärts Limmattal» eine solche Achse neu in seinen Forderungskatalog aufgenommen.

Im Nachgang dazu, vom 22. bis zum 26. Juli, führte das Komitee eine Online-Umfrage durch, wie diese Achse gestaltet werden soll. Das Resultat ist überaus deutlich. 94,4 Prozent sind für einen Strassentunnel durch den Heitersberg. Nur rund 2,8 Prozent bevorzugen eine Strasse über den Berg, weitere 2,8 Prozent haben keine klare Meinung. Angesichts der kurzen Umfragedauer und der Sommerferien nahmen zwar nur 40 Personen teil. Aber die Mehrheiten dürften auch bei einer grösseren Stichprobe ähnlich verteilt sein. So gab es zum Beispiel auch auf der Website der Limmattaler Zeitung Kommentare dagegen, den Heitersberg-Wald mit Verkehr zu belasten.

Ein Tunnel soll es also richten. Doch fehlt zurzeit nicht nur das Geld dafür, sondern auch die politisch-planerische Grundlage. Markus Gerber, Sprecher des Amts für Verkehr der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion, sagt auf Anfrage: «Nimmt das Limmattal das Projekt in seinen regionalen Richtplan auf und zeigt sich, dass der Tunnel die nötige Bedeutung hat, könnte die Idee aufgenommen werden.»

«Jetzt geht es darum, Allianzen zu schmieden»

Das Komitee «Vorwärts Limmattal» arbeitet derzeit daran, das Thema auf die politische Agenda zu bringen. «Wir müssen die Limmattaler im Zürcher Kantonsrat und im Aargauer Grossen Rat mobilisieren. Es geht jetzt darum, Allianzen zu schmieden», sagt Roger Bachmann, der das Komitee präsidiert.

Im September wird das Komitee an einer Sitzung das weitere Vorgehen besprechen. Ebenfalls im September sind alle elf Limmattaler Kantonsräte bei der Stadt Dietikon eingeladen, um Dietikon-spezifische Themen der kantonalen Politik zu besprechen. «Bei dieser Gelegenheit werden wir auch die Idee eines Heitersberg-Tunnels ansprechen», sagt Bachmann.

Für ihn ist klar: «Es ist ein Fakt, dass die Querverbindungen – im Gegensatz zu den Längsverbindungen durch die Täler – schlecht ausgebaut sind. Gerade im Limmattal und im Reusstal würde eine neue Querverbindung aber massiv helfen.»

Neben der Politik gilt es auch die Wirtschaft zu gewinnen. Das Dietiker Gebiet Silbern ist im 500 Unterstützende umfassenden Komitee «Vorwärts Limmattal» zwar schon gut vertreten. Künftig sollen vermehrt auch Vertreter anderer Limmattaler Wirtschaftsgebiete für das Anliegen gewonnen werden, insbesondere auch aus Spreitenbach. Auch mit den Mutschellen-Gemeinden wie etwa Rudolfstetten wird sich das Komitee voraussichtlich in Verbindung setzen.

Die Westumfahrung ist noch im Richtplan eingetragen

Wie Bachmann sagt, soll der Heitersberg-Tunnel die heute im kantonalen Richtplan eingetragene Dietiker Westumfahrung ersetzen. «Der Tunnel hat ganz klar Priorität, er ist unsere favorisierte Variante. Zudem stellt sich die Frage, ob die Westumfahrung, so wie sie im Plan eingetragen ist, überhaupt realisierbar wäre», sagt Bachmann. Sie würde nämlich oberirdisch von der Bernstrasse abzweigen und mitten durch den nördlichen Honeret-Wald und an der Grunschen vorbeiführen und später in die Mutschellenstrasse einmünden.

Die Idee einer neuen Querverbindung zwischen dem Limmattal und dem Reusstal war denn auch entstanden, als in Dietikon über die Westumfahrung diskutiert wurde. Das war ab den 1960er-Jahren der Fall. 1999 reichte die Stadt Dietikon eine Behördeninitiative ein, damit endlich etwas geht. Die Bergdietiker befürchteten aber Mehrverkehr. Unter der Ägide des Bergdietiker SVP-Präsidenten Paul Bögli reichten sie 2001 eine Petition mit 1300 Unterschriften bei den Kantonen Zürich und Aargau ein. Als optimale Variante wurde eine Verlängerung der Mutschellenstrasse als Tunnel genannt.

Wie das Komitee nun mitteilte, unterstützt Bögli die Idee auch heute, gerade auch im Zusammenhang mit der Entwicklung des Niderfelds.

Wichtig sei nun, so Bachmann, dass der Tunnel ernsthaft diskutiert werde. «Sonst wird das Verkehrsproblem nie gelöst», sagt er. «Die neue Querverbindung ist ein echtes Anliegen. Das zeigt sich, wenn man mit der Bevölkerung spricht.» Zum Beispiel am 1. August auf dem Kirchplatz.

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