Wann die Ankenhofserenade zum ersten Mal stattfand, weiss niemand mehr so genau. Geschätzt seit gut 40 Jahren wird der Ankenhof in Oberengstringen zur Bühne für das alljährliche Freiluftkonzert. Am Dienstagabend war es wieder so weit. Auf dem Programm stand das Brass-Quintett Quintessenz. Seit 14 Jahren proben und konzertieren die fünf Musiker in derselben Besetzung: Patrick Meier und Willi Thurnbichler an den Trompeten, Marcel Spitzer am Waldhorn, Patrick Spitzer an der Posaune und der Oberengstringer Robert Duttweiler an der Tuba.

Ihr Auftritt auf dem Ankenhof war eine Premiere. «Es ist uns eine Ehre, hier spielen zu dürfen – und dazu unter freiem Himmel», so Marcel Spitzer vor dem Konzert. Dann schob er mit einem Schmunzeln nach: «Hoffentlich fliegen uns die Töne nicht davon.» Zum Glück wehte bloss ein lauer Wind.

Das Wetter hatte im Laufe des Tags eine 180-Grad-Wende vollzogen. Bauer Walter Leuzinger sagte dazu: «Heute Morgen habe ich nach einem Blick gen Himmel noch zu meiner Frau gesagt, dass das trübe Wetter nicht wirklich Stimmung auf ein Konzert im Freien macht.» Wie Rebecca Giusto von der organisierenden Kulturkommission Oberengstringen sagte, waren alle Vorkehrungen getroffen worden, um das Konzert notfalls in die Reformierte Kirche zu verlegen. «Doch wir hatten wieder einmal Glück», freute sie sich.

Im abendfüllenden Programm bekamen die rund 100 Gäste einen Mix von klassischer und Unterhaltungsmusik zu hören. Das Brass-Quintett präsentierte eigens arrangierte Stücke aus verschiedenen Genres; von Barock und Klassik über Swing bis hin zu Filmmusik. Mit Mozarts «Arie Sarastro», Bizets kecker «Carmen» und Strauss’ «Tritsch-Tratsch-Polka», zu der einige Vögel im Götterbaum fröhlich mitzwitscherten, spielten sie sich quer durch die Orchesterliteratur. Mit «Moonlight Serenade» setzten sie zu einer Hommage an Glenn Miller an. Bei «When the Saints Go Marching In» gesellten sich dann einige neugierige Junikäfer hinzu, was für etwas Wirbel im Publikum sorgte.

Ambitionierte Soli überraschen

Die musikalische Vielseitigkeit der Musiker beeindruckte. Ebenso überraschten sie mit zahlreichen ambitionierten Solostücken. Gut kamen auch ihre humorvollen Ansagen an. «Gleichzeitig können wir dabei etwas verschnaufen», verriet Patrick Spitzer.

Die rasch einfallende Dunkelheit veranlasste eine spontane Programmänderung. Michael Jackson wurde übersprungen und die Musiker stimmten stattdessen das heitere «That’s A Plenty» zum Abschluss an. Darauf folgten noch drei Zugaben, darunter Whitney Houstons «One Moment In Time». Nach dem letzten Akkord war für einen Moment nur das Zirpen der Grillen zu hören. Dann: Stühlerücken und lang anhaltende Standing Ovations. «Das ging direkt ins Herz», sagte Patrick Spitzer nach dem Konzert strahlend. Diese Wertschätzung sei ihr «Benzin im Tank», der Antrieb für die vielen, oft «schweisstreibenden» Proben. «Ein solches Konzert spielen wir nicht alle Tage», so Spitzer. Schliesslich seien sie keine Berufsmusiker. «Umso glücklicher sind wir, wenn alles gelingt und wir dem Publikum eine Freude machen können.»

Unter den Zuhörern war das Echo durchweg positiv. Heidi Gsell aus Schlieren sagte mit einem Lächeln: «Das Konzert hat mir rundum gefallen. Es hatte viele anspruchsvolle Stücke dabei.» Die Oberengstringer Schulpräsidentin Elsbeth von Atzigen stiess ins gleiche Horn: «Ein Brass-Quintett zu engagieren, war eine erfrischende Abwechslung. Es war wieder sehr stimmungsvoll auf dem Ankenhof und unter freiem Himmel passiert immer etwas.»