Fahrweid

«Verschwiegenheit ist wichtig»: Anti-Terror-Firma gewährt einen Blick hinter die Kulissen

Beim Züri-Fäscht und bei der Streetparade hat die Stadtpolizei Zürich auf mobile Strassensperren der Firma Consel Group gesetzt. Die Firma, die ihren Sitz seit Juli in der Fahrweid Weiningen hat, gewährt nun einen Blick hinter die Kulissen.

Laute Musik, viel Party und wild tanzende Besucher – doch eine Sache war dieses Jahr anders bei der Streetparade: Terrorabsperrungen riegelten die Zugänge zur Innenstadt ab. Wer beispielsweise zum Bernhard-Theater gelangen wollte, musste durch die Absperrung durch. «Für die Besucher selbst stellt das Überqueren jedoch kein Problem dar. Die Strassensperre soll lediglich davor schützen, dass Fahrzeuge in die Menschenmenge fahren», sagt Roland Brechbühl, Leiter Fertigung & Ausführung der Firma Consel Group. Das KMU hat der Stadtpolizei Zürich die Strassensperre für eine Viertelmillion Franken verkauft. Bereits im Juli wurden die Antiterror-Sperren beim Züri-Fäscht eingesetzt. «Das Feedback seitens Festbesucher und der Polizei war durchwegs positiv», sagt Brechbühl. In der «NZZ» kritisierte ein Experte zuvor, dass die Schutzwirkung zu gering sei. Das weist Brechbühl zurück: «Die Absperrungen wurden mehrmals erfolgreich getestet, deshalb hat die Stadt Zürich sich dafür entschieden.» Nicht nur Zürich, auch andere Schweizer Städte greifen auf die Produkte der Consel Group zurück.

«Ein zentraler Ort spart Zeit und Kosten»

Seit Juli hat die Consel Group ihren Sitz in einem grossen Gebäude im Industriegebiet der Fahrweid Weiningen. Davor war die Gruppe ebenfalls im Kanton Zürich, nämlich in Buchs, zuhause. Irgendwann habe das Unternehmen nicht mehr genügend Platz gehabt und sich für einen neuen Standort entschieden. «Die Fahrweid ist toll. Hier haben wir viel mehr Platz und vor allem ist es verkehrstechnisch super gelegen. Das ist für uns sehr wichtig.» Denn für das Unternehmen arbeiten Servicetechniker, die täglich in der ganzen Schweiz unterwegs sind. «Ein zentraler Ort spart Zeit und Kosten», sagt er. Die Consel Group gibt es bereits seit über 20 Jahren. Anfänglich hat Consel hauptsächlich Anlagenteile zugekauft und zu kundenspezifischen Anlagen im Bereich Absperrungen und Perimeterschutz zusammengebaut. Doch das reichte der Firmenleitung nicht: «Vor gut fünf Jahren haben wir uns entschieden, unsere eigenen Produkte herzustellen», so Brechbühl. Die Firma habe genug Fachkräfte, um die Anlagen im Bereich Sicherheit und Verkehrslenkung selbst zu produzieren.

Im Bereich der Verkehrslenkung stellt das Schweizer Unternehmen Absperrpfosten mit Bodenhülsen her, welche mit beliebigen Elementen bestückt werden können. «Diese Art von Absperrpfosten sind vorwiegend zur Kennzeichnung gedacht, etwa um eine Strasseneinfahrt zu sperren. Sie haben nur eine geringe Widerstandskraft», sagt Brechbühl.

Einige dieser Sperrpfosten stehen zum Beispiel in Schlieren. Widerstandsfähigere und massivere Pfosten, die automatisch versenkbar sind, heissen Poller. «Diese sind für die Regulierung des Verkehrs gedacht», sagt er. Damit die Autofahrer diese Polleranlagen bemerken und nicht dagegen fahren, sind sie beleuchtet. Die automatisch versenkbaren Poller seien hierzulande die beliebteste Variante der Zufahrtsregelung: «Sie erlauben es, Fahrzeuge sehr gezielt rein- oder rauszulassen.»

Bei den Hochsicherheitsprodukten führt die Gruppe verschiedene Poller-Systeme, schützendes Stadtmobiliar oder Strassensperren. Die versenkbaren oder fixen Poller gibt es in diversen Stärken: «Diese definieren die Masse, die der Poller aufnehmen kann, bis er bricht. Die schwächste Ausführung würde etwa einen SUV aufhalten, während der stärkste Poller für einen LKW gedacht ist.»

Schutzmassnahmen sind nicht erkennbar

Das System sei zum Schutz vor Terrorangriffen wie in Berlin oder Nizza entwickelt worden. Trotzdem betont Brechbühl, dass Terror hierzulande kein grosses Thema sei. «Klar müssen gewisse Gebäude entsprechend gesichert werden, aber ich würde nicht von einer grossen Terrorgefahr in der Schweiz sprechen», sagt er. Es sei jedoch richtig, dass immer mehr Städte auf Strassensperren zurückgreifen würden: «Orte, die viel frequentiert werden, werden früher oder später in irgendeiner Weise gesichert.»

Soll der Schutz jedoch permanent sein, rät Brechbühl zum Poller-System. «Wir haben schon zahlreiche Polleranlagen verbaut: in Ferienresorts, vor Botschaften, Stadien oder Banken.» Ob solche Sicherheitssysteme auch im Limmattal stehen, darf Brechbühl nicht sagen.
«In dieser Branche ist Verschwiegenheit wichtig. Die Kunden möchten nicht, dass ihre Sicherheitskonzepte offengelegt werden. In den meisten Fällen sind die Schutzmassnahmen auch nicht offensichtlich erkennbar», erklärt er. Der Trend gehe darum in Richtung schützendes Stadtmobiliar, wie im Boden verankerte Sitzbänke, Blumentöpfe oder Abfalleimer, die hohe Aufprallenergien aufnehmen können. Die unsichtbare Variante schütze Gebäude und Städte in einer eleganten Weise und lasse die Stadtbesucher aufatmen: «Man will in der Stadt keine Antiterrorsperren sehen, man will geschützt sein, aber nicht immer an eine Gefahr erinnert werden.»

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