Dietikon

Wegen Hanfzucht und Geldwäscherei: Bezirksgericht verweist Ungaren des Landes

Dass eine Hanfpflanze illegal ist, hat der Beschuldigte nach eigenen Angaben nicht gewusst.

Dass eine Hanfpflanze illegal ist, hat der Beschuldigte nach eigenen Angaben nicht gewusst.

Ein ungarischer Hanfzüchter muss dem Staat 20'000 Franken zahlen. Ausserdem wird er für sechs Jahre des Landes verwiesen.

Gefesselt und geführt von zwei Polizisten kam der Beschuldigte zur Verhandlung. In den späten Nachmittagsstunden konnte er den Gerichtssaal in Dietikon zwar schuldig, aber ohne Fesseln wieder verlassen.

Das Bezirksgericht, unter dem Präsidium von Stephan Aeschbacher, hatte ihn in mehreren Punkten schuldig gesprochen. Die Haft- und Geldstrafen hat es aber mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren ausgesetzt. Zudem wird der Ungare für sechs Jahre des Landes verwiesen. Sobald das Urteil rechtskräftig ist, muss er die Schweiz verlassen.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Da der Mann, obwohl er schon seit 1994 meist in deutschsprachigen Ländern tätig ist, fast kein Deutsch spricht, wurde die Verhandlung übersetzt.

In die Illegalität war der Beschuldigte um 2013 durch seine Tätigkeit abgeglitten. Er wurde von einem Bekannten als Gärtner angestellt. Und zwar als Gärtner in einer Hanfplantage in einer sonst für den Weinbau bekannten Gemeinde im rechtsufrigen Teil des Limmattales. Sein Chef liess den heute 54-Jährigen in einem Haus Stecklinge züchten, die dann weiterverkauft wurden.

Fast 700'000 Franken eingenommen

Der Mann wohnte in einem Zimmer des Hauses und führte ein recht bescheidenes Leben. Bis zur Polizeiaktion, mit der der Betrieb geschlossen wurde, züchtete er rund 172'000 Stecklinge. Sein Boss verkaufte diese für vier Franken pro Stück an Dritte. Damit lösten sie rund 688'000 Franken.

Mit der Zucht der Stecklinge verstiessen die beiden gegen das Betäubungsmittelgesetz. Während die Staatsanwaltschaft eine volle Mitschuld des ungarischen Gärtners sah, stellte sich die Verteidigung auf den Standpunkt, dieser habe nicht gewusst, dass dieser Hanf verboten sei. Sein Chef hätte ihm mehrmals mitgeteilt, diese Hanfpflanzen seien problematisch, aber nicht illegal.

Das Gericht nahm ihm diese Behauptung nur bedingt ab. Es stützte sich in seinem Urteil auf Aussagen des Chefs ab, die es als überzeugend ansieht. Demnach habe der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen, etwas Illegales zu machen. Mildernd gewichtete das Gericht, dass er nicht am Verkauf der Stecklinge beteiligt war.

Pro verkauftem Setzling erhielt der Gärtner einen Franken. Die daraus resultierenden 172'000 Franken wurden vom in der Innerschweiz domizilierten Unternehmen des Chefs nach Ungarn überwiesen.

Er hat seine Familie finanziell unterstützt

Begünstigte waren die Noch-Ehefrau, der Sohn, die Tochter und die Freundin des Beschuldigten. Über den Verbleib des Geldes ist nichts bekannt, es wurde bereits ausgegeben. Der Beschuldigte liess durch die Übersetzerin mitteilen, das Geld sei in die Ausbildung seiner beiden Kinder geflossen und er habe Familienangehörige unterstützt. Damit ist der Tatbestand der Geldwäscherei erfüllt, eine weitere Straftat, die ihm zu Last gelegt wurde.

Das Geld auf seinem Postkonto und seine vier Fahrräder beschlagnahmte das Gericht. Seine persönliche Effekten erhält er zurück. An die 20 Monate Haftstrafe wird die Untersuchungshaft angerechnet. In Haft war der Mann seit November 2018. Die bedingte Geldstrafe wurde auf 60 Tagessätze zu 30 Franken festgesetzt. 20'000 Franken muss der Mann dem Staat abliefern. Gemäss Gesetz müsste der Staat die gesamten erzielten Einnahmen von 172'000 Franken einziehen, doch die sind in Ungarn versickert.

Wie es mit dem 54-Jährigen bis zur Ausweisung weiter geht, war nicht mehr Sache des Gerichtes. Der Gerichtspräsident forderte jedoch den amtlichen Verteidiger sowie die Übersetzerin am Ende der Verhandlungen auf, mit dem Verurteilten darüber zu sprechen.

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