1971 wurde die Kantonsschule Rämibühl als grösste Schule der Schweiz eingeweiht. Schon damals beherbergte der Campus drei eigenständige Schulen: das Real-, das Literar- und das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium. Dieser Dreifaltigkeit wird nun ein Ende gesetzt.

Es ist eng geworden an der Rämi-strasse – und nicht nur dort. 2013 rechnete der Kanton Zürich bis 2027 noch mit 3000 zusätzlichen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bei gleichbleibender Gymnasialquote. 2016 rechnete er für 2030 bereits mit 5900 zusätzlichen Schülern. Ein Teil der Jugendlichen wird in den neuen Gymnasien an den beiden Zürichseeufern und dem geplanten Neubau der Kantonsschule Limmattal unterkommen. «Das reicht aber nicht», sagte Reto Givel vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) gestern vor den Medien. 2013 sei man nach einem Höchststand 2027 wieder von sinkenden Schülerzahlen ausgegangen. «Heute wissen wir, dass dem nicht so sein wird», sagte Givel, denn die künftigen Gymnasiasten sind bereits geboren. Mehr Plätze schaffte der Kanton mit dem Neubau an der Kantonsschule Bühlrain in Winterthur und der Beibehaltung des als Provisorium gedachten Parkschulcampus in Uster. Doch auch im Zürcher Stadtzentrum muss sich etwas tun. Deshalb trat das MBA ans Rämibühl heran.

Zuerst gezögert

Bald zeichnete sich ab, dass das Literargymnasium (LG) den Campus verlassen und ins Gebäude der ehemaligen Kantonsschule Riesbach im Seefeld ziehen wird. Zuerst habe man gezögert, sagte Johann-Christoph Rudin, Präsident der LG-Schulkommission. Doch dann habe man den Umzug als Chance gesehen. Unterdessen stehe die Schule geschlossen hinter dem Projekt. Ab dem kommenden Schuljahr wird sich das LG auf eine umfassende Neuausrichtung vorbereiten, sagte Markus Lüdin, der dann Rektor wird. Er ersetzt Donat Margreth, der nach zwölf Jahren aus der Schulleitung ausscheiden muss. Lüdin ist derzeit noch Rektor der Kantonsschule Menzingen im Kanton Zug, die er mitaufgebaut hat.

Welches Profil das heutige Langzeitgymnasium mit sprachlichen Profilen und zweisprachiger Matura haben wird, ist noch unklar. Auch weiss man noch nicht, wie die Schule am neuen Standort heissen wird. Klar ist einzig, dass das neue Literargymnasium wie heute 730 Schülerinnen und Schülern haben wird. Mehr Platz steht im Riesbach nicht zur Verfügung.

Den Umzug setzen die Verantwortlichen auf das Schuljahr 2027/28 an. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt von einer grossen Rochade und der Fertigstellung des neuen Polizei- und Justizzentrums (PJZ) ab. Gibt dann die Polizei das Kasernenareal frei, kann die Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene (KME) und die Erwachsenenbildung Zürich (EB Zürich) dort einziehen und das Schulhaus Riesbach wird frei. Dort müssen die Räumlichkeiten leicht angepasst werden, um sie wieder für nur eine Schule zu nutzen.

Der frei werdende Platz auf dem Campus Rämibühl wird zur Rochadefläche. Um 2025 steht dort die Sanierung der denkmalgeschützten Bauten an. Während dieser Zeit werden die verbleibenden zwei Gymnasien mittels Provisorien auf dem Campus umherziehen. Danach können die Schulen wachsen und den Raum des Literargymnasiums einnehmen. Für die Sanierung und den Umbau rechnet Reto Givel mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Die entsprechenden Regierungsratsbeschlüsse und Projektierungskredite stehen noch aus.