Feuerwehr
Wenn die Feuerwehr auf dem Klosterareal den Ernstfall probt

Es ist wieder einmal so weit: Die Limmattaler Feuerwehr testen auf dem Klosterareal Fahr mit Blaulicht und Sirene den Ernstfall - und das im strömenden Regen.

Daniel Andres Egli
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Mit Blaulicht und Sirene fuhren grosse Feuerwehrautos im Kloster Fahr vor. Im schüttenden Regen entrollten die Männer und Frauen in den feuerfesten Anzügen lange Wasserschläuche, stellten Leitern auf und montierten Atemschutzgeräte. Aus der Scheune des Kloster Fahr stieg undurchdringlicher, weisser Qualm auf und hinter den Fenstern leuchtete es rot und bedrohlich.

Einzig nicht ins beeindruckende Bild passen, wollten einige Dutzend Zuschauer mitten auf dem Schadensplatz. In aller Seelenruhe standen sie unter riesigen Regenschirmen in ihren Plastikstiefeln und hätten keinen grösseren Kontrast zu den hektisch agierenden Feuerwehrleuten darstellen können.

Neues Fahrzeug war ein Highlight

Doch die Zuschauer waren gewollt und der Qualm aus der Scheune stammte zum Glück nur aus einer grossen Nebelmaschine. Die alljährliche Klosterübung der Feuerwehren Unterengstringen, Oberengstringen und Weinigen fand wieder einmal statt. Sehr zur Freude von Zuschauern, Nonnen und den Feuerwehren selbst.

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So ging die Klosterübung in Unterengstringen über die Bühne

Mit fester und befehlsgewohnter Stimme gab der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr Unterengstringen Hansruedi Schmider, kurz nach 19 Uhr beim Feuerwehrdepot Unterengstringen den Befehl zum Beginn der Klosterübung 2011. Das Szenario: Brand in der Scheune des Kloster Fahr und eine Person verletzt. Abgeklärt und routiniert begannen die verschiedenen Feuerwehrzüge kurz darauf auf dem Schadensplatz den Brand zu löschen und die verletzte Person, die an einem sehr unzugänglichen Ort lag, zu bergen.

Löschfahrzeug als Highlight

Eine beeindruckende Leistung, wie auch der Unterengstringer SVP-Gemeinderat und Feuerwehrvorsteher Rolf Stucki fand. «Am meisten gefiel mir das neue Tanklöschfahrzeug KTLF der Feuerwehr Unterengstringen», sagte Stucki. Vor wenigen Wochen habe man dieses für die eigene Feuerwehr erworben und sei nun in der Lage, kleinere Vorfälle in der Gemeinde selbst zu bewältigen, ohne jedes Mal gleich die Nachbargemeinde um Hilfe bitten zu müssen, so Stucki.

Neben dem neuen Tanklöschfahrzeug war die diesjährige Klosterübung auch für einen jungen Feuerwehroffizier eine Premiere. Dieser leitet nämlich zum ersten Mal den Einsatz und dies unter den kritischen Augen des Fachpublikums, viele ehemalige Feuerwehrleute, sowie des Unterengstringer Feuerwehrkommandanten Hansruedi Schmider. «Er hat diese Aufgabe sehr gut gelöst, hat einen guten Standplatz ausgewählt und seine Befehle ruhig, sicher und sinnvoll gegeben», meinte Schmider nach der Übung während der Einsatzbesprechung.

Nach der Arbeit kam das Vergnügen

Es sei wichtig, neues Kader auszubilden und die Jungen nachzuziehen. Schmider wird nämlich ende Jahr nach 25 Jahren freiwilliger Feuerwehr und fünf Jahren Kommandant seinen Rücktritt geben. «Natürlich gibt man ein solches Amt mit etwas Wehmut auf», sagte Schmider sinnierend. Ein Feuerwehrkommandant sollte den Job aber nicht länger als vier bis sieben Jahre machen. Danach müssen andere nachrücken, die frischen Wind und neue Ideen in die Truppe bringen, so Schmider.

Nach der erfolgreichen Übung stellten die Nonnen des Kloster Fahr einen Apéro für die durstigen Feuerwehrleute und die Zuschauer bereit. «Es ist immer wieder eine Freude, an diesem traditionellen Anlass dabei zu sein», sagte die Priorin des Kloster Fahr, Irene Gassman. So entstehe ein konstruktiver Dialog zwischen dem Kloster und den angrenzenden Gemeinden und es werde eine Basis des Vertrauens geschaffen, die für das Zusammenleben sehr wichtig sei, meinte die Priorin während sie ihren Gästen lächelnd Weisswein einschenkte.

Bei uns ist jeder willkommen

Während die einzelnen Feuerwehren in den Depots ihre Fahrzeuge wieder einsatzbereit machten und schauten, dass sie aus den nassen Sachen kamen, hatte Feuerwehrkommandant Schmider noch kurz Zeit für eine persönliche Bilanz, bevor es dann im Weinkeller des Kloster Fahr «id Möscht» ging, wie man bei der Feuerwehr zu sagen pflegt. «Die Zeit bei der Feuerwehr Unterengstringen war spannend und sehr lehrreich. Wir haben eine gute Truppe, kein Problem mit dem Nachwuchs und bei uns ist wirklich jeder willkommen», so Schmider.

Sie hätten seit kurzem auch Frauen und ein paar Kameraden mit Migrationshintergrund. Bei der freiwilligen Feuerwehr Unterengstringen gäbe es aber weder Vorurteile noch Ausgrenzung, sagte Schmider weiter. «Ich glaube, dass werde ich am meisten vermissen wenn ich auf Ende Jahr aufhöre. Die Kameradschaft, den Geist der Truppe und das Bewusstsein, etwas für die Allgemeinheit zu tun», sagte Schmider nachdenklich. Doch für lange Sentimentalitäten hatte der Kommandant keine Zeit. Die Truppe wartete - und der Wein im Kloster Fahr trank sich nicht von selbst.

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