Limmattal

Wie soll der Abfall raus aus dem Hardwald? – Stadt Zürich macht den ersten Schritt

Die Autobahn A3/A4, hier in Richtung Süden, führt mitten durch den belasteten Hardwald. Vor allem das Gebiet rechts ist belastet.

Die Autobahn A3/A4, hier in Richtung Süden, führt mitten durch den belasteten Hardwald. Vor allem das Gebiet rechts ist belastet.

Die alte Deponie in Weiningen und Unterengstringen soll saniert werden. Die Stadt Zürich hat nun eine Firma beauftragt Sanierungsvarianten zu evaluieren.

Von 1946 bis 1975 lagerte die Stadt Zürich im Hardwald Abfall ab. Rund 200'000 Quadratmeter gross ist das betroffene Gebiet zwischen Niederholzstrasse und Autobahn A3/A4. Es liegt auf Gemeindegebiet von Weiningen und Unterengstringen und gehört zur Hauptsache der Holzkorporation Weiningen.

Im Kataster der belasteten Standorte ist das Gebiet rot eingefärbt. Das ist die schlimmstmögliche Stufe. Sie bedeutet: «belastet und sanierungsbedürftig». Im ganzen Bezirk ­Dietikon gibt es keine andere Altlast vergleichbarer Grösse, die der roten Stufe zugeteilt ist.

Die Sanierung rückt nun näher. In den letzten Jahren gab es mehrere Detailuntersuchungen, die vom Kanton finanziert und durchgeführt wurden, da er selber auch Land im Altlasten-­Gebiet besitzt. Ab jetzt steht aber die Stadt Zürich in der ­finanziellen Verantwortung.

Sie – respektive ihre Dienstabteilung Entsorgung und Recycling (ERZ) – hat nun die Jäckli Geologie AG beauftragt, für 15400 Franken Sanierungsvarianten zu evaluieren. Total hatten sich vier Unternehmen für den Auftrag beworben. Das Angebot der Firma Jäckli war das günstigste. Das teuerste war dreimal so hoch.

Der Kanton hat die Stadt in die Pflicht genommen

Die Firma Jäckli wird nun prüfen, ob weitere Untersuchungen nötig sind. Zudem muss sie Sanierungsvarianten erarbeiten, diese einander gegenüberstellen und ihre Kosten vergleichen, ehe sie zum Schluss zusammen mit der ERZ eine «bewilligungsfähige Bestvariante» vorschlagen wird. Danach entscheidet das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft darüber, ob es der «Bestvariante» grünes Licht gibt. Der Kanton – namentlich die Baudirektion – war es auch, der die Stadt Zürich als ehemalige Deponiebetreiberin verpflichtete, die Sanierung an die Hand zu nehmen.

Noch völlig offen ist, wann die ersten Bagger auffahren, um den Hauskehricht, die Industrie- und Gewerbeabfälle, die Schlacke und den Bauschutt aus alten Zeiten zurück ans Tageslicht zu bringen. Denn noch steht man ganz am Anfang. Grundsätzlich soll der nun laufende Prozess, der die beste Sanierungsvariante klären soll, bis Ende Jahr abgeschlossen werden, wie ein Sprecher der ERZ auf Anfrage der Limmattaler Zeitung sagt. Auch der Kanton erwartet, dass er das Sanierungsprojekt dieses Jahr erhält, um dazu Stellung zu nehmen.

Die Frage, ob für die Sanierung der ganze Wald abgeholzt werden muss, verneint der ERZ-Sprecher. Und was ist mit der Autobahn, die mitten durchs belastete Gebiet führt? Wird sie gesperrt werden müssen? «Die Autobahn ist voraussichtlich von der Sanierung nicht betroffen», sagt der Sprecher.

Neben der Zürcher Firma Jäckli hat auch die Ecosens AG aus Wallisellen im Rahmen der Hardwald-Sanierung einen Auftrag ergattert. Für 300000 Franken übernimmt sie die altlastenrechtliche Beratung der Stadt bei diesem Projekt. Sie hatte sich als einziges Unternehmen für den Auftrag beworben. Während der Auftrag der Firma Jäckli rund sechs Monate dauern wird, ist jener der Ecosens AG auf zehn Jahre ausgelegt. Das allein zeigt schon, was für ein grosses Projekt die Hardwald-Sanierung ist.

Wie es in der Chronik «3500 Jahre Weiningen» von Leo Niggli heisst, entstanden in den 1920er- und 1930er-Jahren im Rahmen des Baubooms in der Stadt Zürich und einigen weiteren Limmattaler Gemeinden die ersten Kiesgruben im Hardwald. Hektar um Hektar wurde gerodet, und das Kies ausgebeutet. Die Stadt Zürich, die viel Platz für ihren Abfall brauchte, füllte die Gruben ab 1946 auf, danach wurden viele Flächen aufgeforstet. Es kam auch zu Überraschungen: Bei einem der Kahlschläge, im Winter 1945/1946, wurden Grabhügel aus der Zeit von 1500 bis 1300 Jahre vor Christus gefunden. Das Landesmuseum untersuchte diese ­Hügelgräber aus der mittleren Bronzezeit ­genau.

1972 erreichten die Stadt­zürcher Ablagerungen im Hardwald die vereinbarte Höhe. Der Stadt war das noch nicht ­genug. Sie beschloss, eine ­weitere Deponie zu schaffen. Der Quartierverein Fahrweid setzte sich vehement dagegen ein. ­Erholungsgebiet statt Moloch, lautete die Devise. Die Stadt ­Zürich ­verzichtete auf das Projekt. 1975 endete dann der ­Betrieb der Deponie. Und 1976 war die Aufforstung des Deponie­hügels ­abgeschlossen.

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