Schon beim morgendlichen Medientermin gerät Bundespräsident Ueli Maurer ins Schwärmen: «Es ist einzigartig, dass wir in der Schweiz ganz normal mit dem Zug fahren können.» Mit «wir» meint er die Landesregierung. Sie kam gestern in Vollbesetzung nach Zürich und schritt aus dem Hauptbahnhof ins benachbarte Landesmuseum. Für einmal sollte sie dort ihre wöchentliche Bundesratssitzung abhalten – und sich danach im Museumshof beim Apéro unters Volk mischen.

Der Ausbruch aus dem Bundeshaus hat bereits Tradition: Seit 2010 ist es das 14. Mal, dass eine Bundesratssitzung ausserhalb der Hauptstadt Bern in einem anderen Kanton stattfindet. Maurer unterstreicht die symbolische Bedeutung des anschliessenden Zusammenkommens mit der Bevölkerung: «Wir treffen unsere Chefs», sagt der Bundespräsident. «Die Leute schätzen das.» Auch punkto Selbsterkenntnis misst er dem Termin bei den Chefs eine aufschlussreiche Wirkung zu: «Als Bundesrat hat man das Gefühl, ganz normal zu sein. Aber man ist nicht ganz normal.»

Um 12.30 Uhr ist es dann soweit: Vor dem Landesmuseumseingang versammelt sich allmählich etwas Volk. Zum Beispiel ein paar Schüler, die gerade in einer Ausstellung waren. «Ich bin nur für ein Autogramm da», sagt einer von ihnen. Ein tätowierter älterer Mann will Ueli Maurer treffen. Er kenne «den Ueli» von der Albisgüetli-Tagung. Eine Frau sagt, sie wolle dem Bundesrat schlicht danken.

Maurer spart Miete

Drei Trommler der Kantonspolizeimusik stellen sich auf. Auf dem Museums-Balkon sind Mitglieder des Zürcher Regierungsrats zu sehen, wie sie mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter reden. Im kühlen Wind flattern Fahnen der Schweiz und des Kantons Zürich über dem Museums-Eingang, als die Regierungsvertreter herauskommen.

Begleitet vom Trommeln der Polizeimusik schreiten sie in den Museumshof, wo der Apéro aufgetischt ist: Käsehäppchen, Landjäger und Bürli auf den Buffettischen, geräucherte Mandeln und Gurkendipps auf den Stehtischchen. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und die Zürcher Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh (FDP) heissen die Landesregierung willkommen.

Bundesrat tagt in Zürich: "Wir treffen unsere Chefs"

Bundesrat tagt in Zürich: «Wir treffen unsere Chefs»

Der Bundesrat hat seine Sitzung vom Mittwoch für einmal nicht im Bundeshaus abgehalten, sondern im Landesmuseum in Zürich. Bei einem Apéro im Innenhof mischten sich die Bundesräte danach unters Volk. «Wir treffen unsere Chefs», sagte Bundespräsident Ueli Maurer (SVP). Käse, Landjäger und Polizeimusik: Rund 150 Zürcherinnen und Zürcher nutzten die Gelegenheit, um beim Apéro einige Worte mit einem Bundesrat wechseln zu können.

Das Volk ist zunächst eher spärlich vertreten, vielleicht 200 Leute, wenn man den Regierungs- und Medientross wegzählt. Vom Platzspitz her, wo die Buffettische stehen, weht Käseduft in den Innenhof, der sich allmählich füllt. Maurer erwidert die Grussworte und erklärt, warum der Bundesrat nun seine 14. Sitzung ausserhalb Berns in Zürich abgehalten hat: «Ich bin hier zu Hause und zahle hier Steuern.» Da das Landesmuseum ohnehin dem Bund gehöre, müsse er hier für die Raummiete nichts bezahlen, so der Finanzvorsteher und Bundespräsident. Er fährt fort: «Nun sind wir hier bei unseren Chefs. Sie können reklamieren, Selfies machen – und wenn Sie etwas gut finden, können Sie das auch sagen.» Maurer betont die Bedeutung des direkten Austausches zwischen Volk und Regierung: «Das ist die Schweiz. Dieser Qualität müssen wir Sorge tragen.»

Und dann, nach vier Begrüssungsreden der Oberhäupter von Stadt, Kanton und Bund sowie der Zürcher Staatsschreiberin Kathrin Arioli, kommt es endlich zu diesem Austausch bei Käse, Wurst und Wein. Innenminister Alain Berset (SP) wird von einer hochdeutsch sprechenden Frau auf die Heiratsstrafe angesprochen; Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP), vormals Verteidigungsminister, lässt sich von einem jungen Mann in ein Gespräch über Armeeeinsätze verwickeln. Die Schüler, die eigentlich nur eine Ausstellung besuchten, lassen sich von ihrer Lehrerin mit Bundespräsident Maurer fotografieren, der ansonsten unentwegt Hände von alten Bekannten aus dem Zürcher Oberland schüttelt. Und die jetzige Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) bekennt gegenüber einer Frau aus dem Volk: «Ich war zum ersten Mal im Landesmuseum. Ich komme wieder mal.» Die Landesregierung zeigt sich museumsreif.