Alle fünf Jahre muss sich eine Schule im Kanton Zürich einer detaillierten Begutachtung stellen. Neben Befragungen von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrpersonen besuchen drei Experten der kantonalen Fachstelle für Schulbeurteilung drei Tage lang den Schulbetrieb. Im vergangenen Schuljahr waren 97 Regelschulen (23 davon Sekundarschulen) und 15 Sonderschulen an der Reihe, mehrheitlich aus der Region Winterthur, der Zürichsee-Region und der Stadt Zürich.

Das Resultat entspreche denjenigen der Vorjahre, sagt Andreas Brunner, Leiter der Fachstelle für Schulbeurteilung. Bei den meisten der neun Evaluationskriterien erhält die Mehrheit der Schulen ein gutes Zeugnis, in dem sie die beste oder zweitbeste von vier Bewertungsstufen erreichen. Gut schneiden sie etwa ab bei der Schulgemeinschaft, der Unterrichtsgestaltung und der Berufswahl in der Oberstufe.

Ist die Prüfungsnote fair?

Beim Kriterium der Beurteilung der Schülerinnen und Schüler erreichen aber über 70 Prozent der 97 Schulen (die Sonderschulen lassen sich nicht vergleichen) eine «funktionsfähige Praxis», die zweitschlechteste Bewertung. Hierbei wird laut Brunner evaluiert, wie sich ein Schulteam bei Prüfungen und Leistungsbeurteilungen abspricht. Wird die Prüfung von einer Lehrerin ähnlich benotet wie von einer anderen? Vor allem bei mündlichen Noten und der Einschätzung des Arbeits- und Lernverhaltens seien Absprachen für die Gerechtigkeit wichtig, sagt Brunner.

Sitzungen fanden nicht statt

Die Schulen seien auch angehalten, mehr förderorientierte Beurteilungen zu machen, also mit den Schülern anzuschauen, woran sie noch arbeiten sollten – und nicht nur mit Prüfungen Bilanz zu ziehen. Das sei ein Ziel des Lehrplans 21.

Bei vier Sekundarschulen wurde eine «ungenügende Praxis» festgestellt – die schlechteste Bewertung – bei den Kriterien Schulführung oder interne Qualitätssicherung. Um welche Sekundarschulen es sich handelt, gibt die Fachstelle nicht bekannt.

«In diesen Schulen liegt vieles im Argen», sagt Andreas Brunner. So funktioniere etwa das Zusammenspiel von Schulleitung, -Behörde, -Verwaltung und Lehrpersonal nicht. Es gebe kaum Personalführung, keine Koordination, wie an pädagogischen Themen gearbeitet werden solle oder «alle beklagen sich über unstrukturierte oder nicht stattfindende Sitzungen», sagt Brunner. Ziele zur Weiterentwicklung der Schule seien nur auf dem Papier vorhanden, oder es werde viel Energie investiert, die aber den Zielen nicht diene.

Eine solch negative Bewertung sei keine Überraschung für die Schulen, sagt Brunner. Oft gebe es dort viel Fluktuationen und unzufriedene Eltern. Dass dieses Jahr nur bei Sekundarschulen wesentliche Mängel festgestellt wurden, sei nicht typisch. In anderen Jahren sei das auch bei Primar- oder Sonderschulen vorgekommen. Sekundarschulen werden aber vor allem auch von den Schülern strenger beurteilt – «je länger sie Teil des Systems sind, desto kritischer werden sie», sagt Brunner.

Kaum Wiederholungstäter

Die mangelhaften Schulen werden verpflichtet, innert vier Monaten einen Massnahmenplan zu formulieren. Die Verantwortung dafür liegt bei der Schulpflege. Unterstützung und Beratung bieten das Volksschulamt wie auch die pädagogische Hochschule. Wiederholungstäter gibt es laut Brunner erfahrungsgemäss kaum: «Stehen Qualitätsmängel im Evaluationsbericht, ist der Handlungsdruck auf die Schulen sehr hoch.»