«Wir haben vom 8.5.19 auf den 9.5.19 das Büro der Weltwoche mit Farbe verschönert», heisst es im Bekennerschreiben auf einem Online-Portal, das Aktivistinnen und Aktivisten das anonyme Publizieren von Texten ermöglicht. Die Zeitung sei «offen frauenverachtend und fremdenfeindlich», erklären die Verfasser. Zudem unterstützten sie einen «ideologischen Angriff von oben, um die Ausbeutungs- und Unterstützungsverhältnisse dieser kapitalistischen Gesellschaft aufrecht zu erhalten», heisst es weiter.

Dem Farbanschlag vorangegangen war ein Angriff auf den «Weltwoche»-Journalisten Alex Baur am 1. Mai. Dieser betreibt seit 20 Jahren zusammen mit seiner Frau einen Essensstand an der Zürcher 1.-Mai-Feier. Vermummte hatten den 57-Jährigen bedroht und angegriffen. Baur verliess das Areal, um die Situation zu beruhigen. Der Essensstand wurde von den Unbekannten jedoch zerstört.

«Frauen schlagen zurück»

Ein «Vertreter dieses Hetzblattes» habe am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der ArbeiterInnenklasse, nichts zu suchen, rechtfertigen die Verfasser des Bekennerschreibens ihren Angriff auf Baur. Dieses Jahr sei ihm klar gezeigt worden, dass «Fratzen wie seine» nicht willkommen seien. Darunter steht abschliessend, in fett gedruckten Lettern, geschrieben: «Frauen schlagen zurück gegen rechte Hetze! Nach dem 1. Mai ist vor dem 14. Juni. Frauenkampf im Klassenkampf, machen wir den Bonzen Dampf.»

Der Stadtpolizei Zürich sei das Schreiben bekannt, wie sie auf Anfrage der «Neuen Zürcher Zeitung» bestätigt. Bezüglich des Farbanschlages sei Strafanzeige wegen Sachbeschädigung eingegangen. Die Polizei prüfe zusammen mit der Staatsanwaltschaft zudem, ob hinsichtlich der Attacke am 1. Mai ein Straftatbestand vorliege, den man von Amtes wegen verfolgen müsse. Anzeige sei bislang nicht erstattet worden.