Erlenbach
Baumgiganten am Zürichsee bleiben geschützt

Einen Mammutbaum und eine Atlaszeder hat der Gemeinderat in Erlenbach unter Schutz gestellt. Dabei bleibt es, ein Rekurs von Bewohnern und Eigentümern wurde abgelehnt.

Christian Dietz-Saluz
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Die beiden immergrünen Gewächse werden auch hierzulande bis zu 40 Meter hoch und sind daher von weit her sichtbar.

Die beiden immergrünen Gewächse werden auch hierzulande bis zu 40 Meter hoch und sind daher von weit her sichtbar.

Manuela Matt]/ Limmattaler Zeitung

Es gibt Bäume, die überleben Generationen und können Kirchtürme überragen. Deshalb besitzen sie emotionalen Wert, über sie wird gesprochen, vor allem, wenn über sie rechtlich geurteilt wird: Fällen oder erhalten? In diesem Fall geht es um einen Mammutbaum und eine Atlaszeder an der Lerchenbergstrasse in Erlenbach, die sich in mehreren scharfen Kurven steil das Dorf hinauf windet. Die beiden immergrünen Gewächse werden auch hierzulande bis zu 40 Meter hoch und sind daher von weit her sichtbar.

Das war mit ein Grund, weshalb der Gemeinderat im September die Bäume unter Naturschutz stellte. Zudem ordnete er an, dass der Mammutbaum ins Inventar der Natur- und Landschaftsschutzobjekte von kommunaler Bedeutung aufzunehmen ist. Mit anderen Worten: Die Öffentlichkeit besitzt mehr Recht auf den Erhalt von zwei Bäumen als die Eigentümer und Bewohner der Liegenschaft, die sich in Aussicht und Sicherheit beeinträchtigt fühlen.

Die Bäume sind gesund und damit auch sicher

Bereits über ein Jahr zuvor hatte der Gemeinderat Expertisen eingeholt. Eine davon sprach den mindestens 120 Jahre alten Bäumen eine ästhetische Bereicherung des Ortsbildes zu, die damit zum ältesten Baumbestand von Erlenbach zählten und einen historischen Wert darstellen.

Dass beide Gewächse nicht zu den heimischen Pflanzen zählen, spielt keine Rolle. Ausserdem wurde festgestellt, dass Mammutbaum und Zeder statisch sicher – sprich gesund seien. Eine Wurzelkappung an der Grenze zwischen den beiden Grundstücken hätte eine «irreversible Schädigung der Vitalität zur Folge und würde mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Absterben der Bäume führen».

Das passte nicht allen Nutzern und Eigentümern, weshalb einige im Oktober ans Baurekursgericht gelangten. Stossrichtung der Beschwerdeführer: Die Bäume seien keine botanischen Seltenheiten, hätten als nicht-einheimische Arten einen niedrigen ökologischen Wert. Und nur die Tatsache, dass sie alles in der Nachbarschaft überragten, genüge nicht für die Unterschutzstellung. Sie seien «überdimensioniert», die Häuser würden «zugedeckt», es könne Schaden durch herabfallende Äste entstehen.

Gericht hebt Wirkung für das Ortsbild hervor

Zudem zögen sich die Wurzeln durch den gesamten Garten einer Parzelle, was Unebenheiten und Risse im Gartensitzplatz verursachte. Der verfügte Schutz verunmögliche auch eine allfällige Neuüberbauung. Schliesslich wäre im Falle einer Unterschutzstellung die Gemeinde verantwortlich für die Pflege der Bäume und hafte für sämtliche Folgen, insbesondere auch bei Schäden und einem Umsturz.

Im Januar kam es zum gerichtlichen Augenschein an der Lerchenbergstrasse. Jetzt hat das Baurekursgericht entschieden und die Einsprache abgelehnt. Vor allem die Wirkung auf das Ortsbild der beiden Bäume als Ensemble hebt es hervor: «Diese herausgehobene Lage an einer markanten Stelle führt sowohl zu einer erhöhten Wahrnehmbarkeit der beiden Bäume im öffentlichen Raum als auch zu einer Orientierungsfunktion innerhalb des Dorfbilds.» Die von den Rekurrierenden geltend gemachten «privaten Interessen erweisen sich als vergleichsweise geringfügig».