Zürich

Demonstranten setzen Einkaufswagen in Brand – Tausende fordern Lohngleichheit an Kundgebung

1. Mai in Zürich: Farbbeutel, Sprayereien und ein Einkaufswagen in Flammen

1. Mai in Zürich: Farbbeutel, Sprayereien und ein Einkaufswagen in Flammen

Währen des offiziellen 1.-Mai-Umzugs durch die Zürcher Innenstadt ist es bis zum Nachmittag mehrheitlich ruhig geblieben. Es kam jedoch zu vereinzelten Sachbeschädigungen durch Farbbeutel, Sprayereien oder Feuer.

13'000 Personen sind Transparente schwenkend und Parolen wiederholend für Lohngleichheit und Freiheit durch Zürich gezogen. Der gemeinsame Kampf für Gleichheit könne «zu einem besseren Leben für alle» führen, rief Unia-Präsidentin Vania Alleva den Demo-Teilnehmern auf dem Sechseläutenplatz zu.

Wie immer war der offizielle Zürcher Demonstrationsumzug zum 1. Mai, der sich am Dienstag um 10.30 Uhr beim Helvetiaplatz in Bewegung setzte, lang, bunt und vor allem auch laut. Trotz des regnerischen und kalten Wetters nahmen gemäss Organisatoren 13'000 Personen am Umzug durch die Zürcher Innenstadt teil.

Zuvorderst schritten traditionsgemäss die Mitglieder des Gewerkschaftsbundes, die den diesjährigen Tag der Arbeit landesweit unter das Motto "Lohngleichheit. Punkt. Schluss!" gestellt hatten.

Dahinter folgten die verschiedensten Gruppierungen: "Schluss mit dem Buch-Druck", machten Buchhandelsangestellte ihrer Forderung nach mehr Personal Ausdruck. "Schützt die Umwelt, nicht das Geld!", hiess es unter anderem auf einem Transparent bei den Roten Falken Zürich, die Gruppe der Jüngstsozialisten.

Auf die Strasse für die Lohngleichheit

Auf die Strasse für die Lohngleichheit

"Lohngleichheit Punkt Schluss", so der Slogan der Demonstrationen zum 1. Mai. In Zürich versammelten sich mehrere Tausend Menschen auf dem Helvetiaplatz und marschierten in Richtung Sechseläuteplatz. 

Während weitere Verbände und Gruppierungen den Tag der Arbeit nutzten, um auf anstehende Abstimmungskämpfe - etwa die "Ernährungsinitiative aufmerksam zu machen, protestierten andere ganz grundsätzlich - "Kapitalismus war schon früher Scheisse", hiess es beispielsweise auf einem handgemalten Plakat.

Am Umzug marschierten auch zahlreiche, zum Teil vermummte Personen aus dem linksautonomen Umfeld mit, die wiederholt Petarden und Knallkörper zündeten. Wie die Zürcher Stadtpolizei am Dienstag weiter mitteilte, kam es entlang der Umzugsroute zu vereinzelten Sachbeschädigungen durch Farbbeuteln und Sprayereien.

"Solidarität oder soziale Spaltung"

Noch während die letzten Gruppen das Limmatquai entlangmarschierten, begann auf dem Sechseläutenplatz die offizielle Schlusskundgebung. Es sei einfach unglaublich, mit welchem Schneckentempo es bei der Gleichstellung vorwärts gehe, hielt Unia-Präsidentin Vania Alleva als Hauptrednerin des Gewerkschaftsbundes fest. Dabei sei die Kampagne für Lohngleichheit Teil eines grösseren Kampfes.

Es gehe letztlich um die Wahl zwischen Solidarität und sozialer Spaltung. Denn drei Jahrzehnte "Marktideologie, Profitmaximierung und Abzockerei" der neoliberalen Globalisierung hätten schwere Verwüstungen angerichtet. Es sei eine "extreme soziale Ungleichheit" geschaffen worden, welche den Nährboden für konservative, autoritäre Kräfte bilde, die eine Politik der Angst vorantreiben würden.

Gleichheit für alle - für Frauen, aber auch für Migrantinnen und Migranten - könnte da ein alternativer Weg zu einer besseren Zukunft weisen, zeigte sich Alleva überzeugt: "Der gemeinsame Kampf gegen gegen Diskriminierungen und für gleiche Rechte führt zu einem besseren Leben für alle."

1.-Mai-Komitee und Freiheit

Das Zürcher 1.-Mai-Komitee mit seinen über 60 Mitgliederorganisationen hatte für den Umzug zudem unter dem Motto "Freiheit" mobilisiert. Als zweite Hauptrednerin sprach an der Schlusskundgebung auf dem Sechseläutenplatz die baskische Aktivistin Nekane Txapartegi.

Damit wollte das Komitee "Solidarität mit den zahlreichen politischen Unterdrückten und politische Gefangenen auf dieser Welt" ausdrücken. Txapartegi befand sich wegen eines am Ende zurückgezogenen spanischen Haftbefehls während 17 Monaten in einem Schweizer Gefängnis.

Ein langes Fest, viele kleinere Feiern

Der Tag der Arbeit wurde in Zürich bereits seit Samstag gefeiert: Am internationalen Volksfest auf dem Kasernenareal gab es neben den Verpflegungs- und Informationsständen der 1.-Mai-Komitee-Mitgliedervereine über 30 politische Veranstaltungen und kulturelle Beiträge. Laut den Organisatoren handelte es sich um das grösste nichtkommerzielle Fest der Schweiz. Auf dem Kasernenareal wird auch am Dienstagnachmittag weiter gefeiert.

Im Kanton Zürich standen zudem in zahlreichen weiteren Ort weitere Kundgebungen und Maifeiern an. So sprach unter anderem Juso-Präsidentin Tamara Funiciello in Winterthur, SP-Nationalrat Cedric Wermuth in Uster und SP-Kantonsrat Markus Späth in Dietikon.

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