Tut er es oder tut er es nicht? Bei der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion richten sich derzeit alle Augen auf den Bundesrat. Mit Hoffen und Bangen erwartet auch Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) den Entscheid zu den Kontingenten für Angehörige aus Drittstaaten.

Es geht um die Frage, ob sie der Bundesrat für 2017 wieder erhöht oder auf dem jetzigen, vor zwei Jahren gekürzten Niveau belässt.

Unternehmer, die eine hochqualifizierte Fachkraft (etwa Informatiker, Professoren oder Bankenspezialisten) aus Nicht-EU-Staaten anstellen wollen, brauchen dazu eine Bewilligung vom Kanton. Dieser erteilt sie, sofern der Unternehmer keinen geeigneten Inländer gefunden hat und der vorgeschlagene Kandidat wirklich hoch qualifiziert ist.

Bewilligungen vom Kanton sind allerdings nur erhältlich, solange die vom Bund erteilten Kontingente ausreichen.

Gesuch in Bern hängig

Im Kanton Zürich ist das Kontingent für Langzeitaufenthalte von mehr als einem Jahr (B-Bewilligungen) ausgeschöpft, wie die Volkswirtschafsdirektion auf Anfrage mitteilt. «Ein Gesuch um Erhöhung ist beim Bund hängig, aber noch nicht beantwortet», sagt Lucie Hribal, Kommunikationsleiterin beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA).

Bis zum 3. Oktober hatte der Kanton 575 B-Bewilligungen erteilt, nachdem der Bund die Kontingents-tranchen auf Gesuch des Kantons während des Jahres zweimal aufgestockt hatte.

Ob nun noch mehr drin liegt, ist offen und hängt davon ab, ob der Bund noch irgendwo freie Kontingente zusammenkratzen kann. Im ganzen letzen Jahr erteilte das AWA 702 B-Bewilligungen.

Etwas besser sieht es bei den L-Bewilligungen (für maximal ein Jahr) aus. Hier ist laut Sprecherin Hribal das Kontingent noch nicht ganz ausgeschöpft. Sie geht aber davon aus, dass das bis Ende Jahr der Fall sein wird.

1253 Bewilligungen dieser Kategorie hat das AWA bis zum 3. Oktober erteilt – gleich viel wie im ganzen letzten Jahr.2014, also vor der Kürzung der Kontingente, vergab der Kanton 1824 Kurz- und 603 Langzeitbewilligungen.

Knappheit stark spürbar

Dieses Jahr spüre man den Mangel noch wesentlich stärker als im Vorjahr, heisst es beim AWA. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) sorgt sich: «Die Verknappung der Kontingente stellt für viele Unternehmen, vor allem aus dem IT-Bereich, ein grosses Problem dar.»

Die Firmen betrachteten dies zunehmend als gewichtigen Standortnachteil, warnt sie. Walker Späh setzt sich beim Bundesrat schon seit Frühjahr dafür ein, dass er die Kontingente wieder erhöht.

Das knappe Angebot hat dazu geführt, dass das AWA die Gesuche schärfer prüft: «Die Anforderungen an die Bewilligungen sind erhöht worden», schreibt das AWA. Neben der fachlichen Qualifikation der vorgeschlagenen Kandidatur werde zusätzlich auch Berufserfahrung verlangt. Laut dem AWA hat die strengere Prüfung den unerwünschten Effekt, dass manche Firmen gar nicht mehr erst ein Gesuch einreichen, sondern schon vorher resignieren.

Erteilen einige Kantone Drittstaaten-Bewilligungen nicht nur an hochqualifizierte Spezialisten, sondern auch an Geringqualifizierte wie Köche oder Kindermädchen? Das AWA Zürich weist den Vorwurf entschieden zurück. «Bei uns kommt das nicht vor», sagt Kommunikationsleiterin Hribal. Das Gegenteil sei der Fall: Wegen der knappen Kontingente prüfe man diesen Punkt besonders streng.

Bürokratischer Aufwand

Pia Guggenbühl, stellvertretende Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes Banken in der Schweiz, berichtet von Unmut in ihrer Branche. «Die Kontingentierung trifft die Banken stark», sagt sie. Zwar liessen sich die freien Stellen in der Regel noch besetzen. «Aber bei einer Anstellung aus einem Drittstaat ist der bürokratische Aufwand sehr gross.» Das berge das Risiko, dass die Schweizer Banken Spezialisten an Unternehmen aus dem Ausland verlören.

Volkswirtschaftsdirektorin Walker Späh kann den Frust nachvollziehen: «Dass die jetzige Situation Unzufriedenheit auslösen kann, ist verständlich», sagt sie. Deshalb setze sie sich ja beim Bundesrat für höhere Kontingente ein. Ob es etwas nützt, zeigt sich in den nächsten Tagen.