Die Zahl der Studierenden an ETH und Universität Zürich nimmt seit Jahren stetig zu. Jetzt schlägt der ETH-Rat, der für die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne zuständig ist, Alarm: Das Betreuungsverhältnis, das sich aus der Anzahl Studierender pro Professur ergibt, habe sich seit 2007 deutlich verschlechtert, heisst es im neusten Budgetbericht des ETH-Rats unter dem Titel «Wachstum bis zur Kapazitätsgrenze». Kamen im ETH-Bereich inklusive Lausanne 2007 auf eine Professur noch 32 Studierende, so waren es 2011 - die Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor - bereits knapp 36. Dadurch verliert die ETH allmählich den Anschluss an Spitzenhochschulen.

Streit um Geldverwendung

Um Gegensteuer zu geben, budgetiert der ETH-Rat für 2013 rund 40 Millionen Franken mehr als 2012. Damit sollen an der ETH Zürich 18 und an der ETH Lausanne 12 zusätzliche Professuren geschaffen werden. Allerdings ist noch unklar, ob die zusätzlichen Bundesgelder eingesetzt werden können, um das Betreuungsverhältnis für die Studierenden zu verbessern - oder ob sie teilweise für die Energieforschung verwendet werden, wie dies der Bundesrat wünscht. Gemäss ETH-Ratssprecher Markus Bernhard wird das Bundesparlament darüber in der kommenden Frühjahrssession entscheiden.

40 Studierende pro Professur

An der ETH Zürich kommen auf eine Professur derzeit rund 40 Studierende. «Die Studentenzahlen steigen. Unser Budget ist in den letzten Jahren nicht im gleichen Mass gestiegen», bestätigt Rektoratsleiter Dieter Wüest. Am schwierigsten sei die Situation in den Bereichen Maschinenbauingenieure und Architektur.

Um Engpässe zu bewältigen, sieht der ETH-Rat in seinem Bericht auch eine Beschränkung der Anzahl Studienplätze für Master-Studenten aus dem Ausland vor. «Wir werden das voraussichtlich 2013 oder 2014 in den Bereichen Maschinenbauingenieure und Architektur machen», sagt Wüest. Zunächst gelte es jedoch abzuwarten, bis die entsprechende Gesetzesgrundlage in Kraft trete.

Ausländeranteil von 30 auf 40 Prozent

Die Zahl der neu eingeschriebenen Studierenden stieg an der ETH Zürich von 4433 im Jahr 2007 auf 6333 im Jahr 2011. Der Ausländeranteil bei den neuen Studenten schnellte im gleichen Zeitraum von 30 auf 40 Prozent hoch. Insgesamt zählte die ETH Zürich im Jahr 2011 17 187 Studenten, davon 36 Prozent Ausländer. Bisher bewältige die ETH Zürich den Grossandrang der Studierenden in den unteren Semestern mit grösseren Klassen und durch den Einsatz von Assistenten. «In den höheren Semestern wirds schwieriger», sagt Wüest. Doch dort würden sich die seit 2007 massiv steigenden Studentenzahlen bisher noch nicht so stark auswirken. Neben Professoren und Assistenten kommen auch wissenschaftliche Mitarbeiter und externe Lehrbeauftragte bei der Betreuung der Studierenden zum Einsatz.

In internationalen Hochschul-Rankings schnitt die ETH Zürich zuletzt noch immer gut ab, wie Wüest betont. Allerdings: «Die besser platzierten Hochschulen sind allesamt Universitäten mit besseren Betreuungsverhältnissen», so der ETH-Rektoratsleiter weiter. Um zur Weltspitze vorzustossen, wäre ein Betreuungsverhältnis von rund 20 Studierenden pro Professur nötig.

Uni: Numerus clausus kein Thema

Von solchen Werten kann die Universität Zürich (UZH) nur träumen: Ihr Betreuungsverhältnis lag 2011 durchschnittlich bei 48,8 Studierenden pro Professur. Doch der Trend geht verglichen mit der ETH in die entgegengesetzte Richtung: Das Betreuungsverhältnis hat sich in den letzten Jahren leicht verbessert, wie Uni-Sprecher Beat Müller auf Anfrage mitteilte. Als Sollwert gilt an der UZH ein Verhältnis von 60 Studierenden pro Professur. Überschritten wurde er 2011 lediglich an der Rechtswissenschaftlichen und an der Philosophischen Fakultät.

Zwar stieg auch an der UZH der Anteil der ausländischen Studierenden in den letzten Jahren markant an. 2011 waren es 4512 von insgesamt 25 634 Unistudenten. Doch ein Numerus clausus für Studierende aus dem Ausland, wie ihn die ETH Zürich einführen will, sei für die Uni derzeit kein Thema, hiess es gestern bei der UZH-Kommunikationsstelle.