Archäologie

Forschungsanstalt WSL sucht Schätze im Lehm und Dreck - und sie will mehr

Ein archäologischer Schatz wurde 2013 in der Zürcher Binz gehoben. Uralte Bäume, die eine Menge zu erzählen wissen.

Ein archäologischer Schatz wurde 2013 in der Zürcher Binz gehoben. Uralte Bäume, die eine Menge zu erzählen wissen.

Auf Baustellen werden ausgegrabene Hölzer oder Bäume meist entsorgt. Dadurch gehen Schätze verloren, die der Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf wichtige Hinweise geben. In Zürich wurde sie bereits einmal mit einem Sensationsfund konfrontiert.

Wenn ein Stück Holz oder sogar ein ganzer Stamm in einem Kieswerk oder einer Baustelle zum Vorschein kommt, landet er oftmals als wertloser Kehricht in der Verbrennung. Für Wissenschaftler kann er jedoch Gold wert sein. Gemäss der WSL - der eidgenössischen Forschungsstelle für Wald, Schnee und Landschaft - in Birmensdorf wiederspiegeln die Jahrringe uralter Hölzer aber sehr präzise Umwelt- und Klimabedingungen. Oder anders ausgedrückt: Sie sind Archive oder Schatztruen - je nach Auslegeart.

Sensationsfund von prähistorischem Holz in Zürich. So wurde 13'000-jähriges Holz geborgen. Und es gibt in der Schweiz weitere Schätze.

Sensationsfund von prähistorischem Holz in Zürich. So wurde 13'000-jähriges Holz geborgen. Und es gibt in der Schweiz weitere Schätze.

Solche einmaligen Archive bieten gemäss WSL die Möglichkeit, Wachstumsbedingungen vor Jahrtausenden zu rekonstruieren. Jahrringforscher seien deshalb stets auf der Suche nach solchen wertvollen Hölzern. Immer wieder sei den Forschern im Zuge von Aushubarbeiten in Zürich einzelne Holzfunde gemeldet worden. In enger Kooperation mit Jahrring-Laboren in der gesamten Schweiz weiten nun die WSL-Wissenschaftler ihre Kampagne «Auf der Suche nach altem Holz» systematisch aus.

Erste Fundmeldungen quer durch die Schweiz

So hätten in Zusammenarbeit mit dem lokalen Forstdienst in Celerina (GR) jüngst rund 70 Fichten und Föhren aus ca. 8 m Tiefe geborgen werden können. Dieser Fund habe sich im Zuge der Konstruktion eines Pumpwerks im Bezirk Maloja ergeben. Erste Radiokarbon (14C) Messungen im Labor für Ionenphysik an der ETH Zürich hätten die Bäume auf ca. 3500 Jahre v. Chr. datiert.

Weitere Bäume wurden in der Nähe von Engi (GL) und in Aigle (VS) gemeldet. Letztere wurden vor ca. 4300 Jahren v.Chr. im Erdreich eingeschlossen.

2013 wurde im Zürcher Binz-Quartier ein wertvoller Fund gemacht. «Dieser ca. 13'000 Jahre alte Fund ist auf Grund seiner Grösse und seines Alters einmalig», erläutert WSL-Forscher Frederick Reinig die Bäume. Um die Umweltbedingungen am Ende der letzten Eiszeit noch besser zu verstehen, brauche es jedoch weitere Holzproben. Kleinere Funde oder gar Einzelbäume können wichtige Puzzleteile sein, um zeitliche Lücken zwischen bisherigen Messungen zu schliessen. (AZ)

Hier kann man Funde melden

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