Géraldine Knie, morgen Donnerstag ist Premiere des neuen Zirkus-Knie-Programms. Ist Ihr Wohnwagen startklar?

Géraldine Knie: Er ist fertig gepackt, das ist immer das Erste. Die Vorfreude ist riesig, der Bauch voller Schmetterlinge. So kurz vor der Premiere ist es wichtig, nahe am Geschehen dran zu sein. Meine Familie und ich haben unser rollendes Heim deshalb bereits bezogen.

Was sind jeweils die letzten Dinge, die vor der Premiere noch zu tun sind?

Der Programmablauf bekommt den letzten Schliff, Licht und Musik werden einprogrammiert. Alles muss stimmen, bis es losgeht.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Auf alles. Der Abschied im November, wenn die Tournee zu Ende ist, ist immer traurig. Umso glücklicher bin ich, wenn es im Frühling wieder losgeht. Dieses Gefühl hatte ich schon als Kind, und es hat sich bis jetzt nichts daran geändert. Natürlich ist immer auch eine grosse Portion Respekt dabei. Die Zeit vor der Premiere und die Premiere selbst sind immer eine Achterbahn der Gefühle. Man arbeitet, hofft und bangt und am Schluss, wenn dann alles klappt, sind Erleichterung und Freude gross.

Was ist das Besondere am Startort Rapperswil-Jona?

Das Rapperswiler Publikum ist einfach  grossartig. Wir fühlen uns hier sehr wohl und zu Hause. Der Abschied ist jeweils nicht ganz einfach, gerade auch für Chanel, die sich von ihren Kindergartengspänli verabschieden muss.

Wie sieht aktuell Ihr Tagesablauf aus, mit Zirkus und Familie?

Wir stehen um sieben Uhr auf. Ivan geht in die Schule und ich bringe Chanel in den Kindergarten. Danach ist das Training mit den Pferden dran. Das dauert bis am Mittag. Um 13 Uhr beginnen wir, den Programmablauf zu trainieren und zu perfektionieren, Licht und Musik dazu zu programmieren. Alles muss zu einer Einheit werden. Das dauert oft bis tief in die Nacht hinein.

Ivan Frédéric tritt diese Saison mit seiner ersten eigenen Nummer auf.

Ivan ist zu einem richtigen Teenager herangewachsen. Er überragt mich unterdessen um drei Köpfe, was zugegeben nicht allzu schwierig ist. (lacht herzlich) Er hat meine Leidenschaft für Pferde geerbt, hat aber auch grosse Freude an der Akrobatik. Und er will alles ausprobieren. Neben dem Zirkus lernt er in der Schule auf einen kaufmännischen Abschluss hin. Danach wird er sich entscheiden müssen, für das eine oder andere. Nur 50 Prozent beim Zirkus dabei sein geht nicht. Da sind 100 Prozent gefordert. Ich denke aber, dass er die nötige Leidenschaft und Disziplin für ein Leben im Zirkus hat.

So ein Zirkus! - Schweiz Doku (2015)

So ein Zirkus! - Schweiz Doku (2015)

Der Circus Knie entstammt der ältesten Zirkusdynastie der Schweiz und prägt seit mehr als 200 Jahren den Alltag und die Fantasie der Eidgenossen. Als Abbild des eigenen Landes haben ihn vor allem seine Pracht, seine Virtuosität und seine Präzision weltberühmt gemacht. Der weltbekannte Circus Knie hat die Schweizer Grenzen jedoch noch nie verlassen.

Und Ihre Tochter Chanel?

Auch sie liebt den Zirkus und die Manege. Es ist für mich ein grosses Glück. In ihrem Alter bedeutet es aber noch vor allem Spiel und Spass und so soll es auch sein. In der Manege wird sie im neuen Programm erstmals mit ihrem Pony Angel zu sehen sein. Ich habe es ihr zum Geburtstag geschenkt und mir damit auch selbst eine Freude gemacht. Die beiden sind ein Superteam und werden ein grandioses Manegendebüt geben. Chanel singt gerne und redet bei der Auswahl der Musik auch schon mit. Auch ihr Kostüm, das wie alle aus Paris stammt, hat sie sich selbst ausgesucht. Das ist schon sehr herzig.

War es je ein Thema, dass die Kinder nicht im Zirkus mitmachen möchten?

Nein, sie sind mit Herzblut dabei. Wir zwingen sie jedoch zu nichts und Stress versuche ich besonders bei der kleinen Chanel zu vermeiden. Sie ist bei ihrem Auftritt zwar sehr konzentriert, Lampenfieber hat sie aber noch keins. Wenn etwas nicht klappt, schimpfe ich auch nicht. Kinder brauchen Liebe und Geduld, das ist wie bei den Tieren (lacht). Vor allem sollen sie ihre Freude am Zirkus behalten.

Auch Ihr Mann Maycol Errani ist mit Leib und Seele beim Zirkus dabei. Was bedeutet es Ihnen, ihn an der Seite zu haben?

Er ist für mich wie ein Sechser im Lotto. Das sagt eigentlich schon alles. Manchmal frage ich mich, wie ich ihn verdient habe. Er hat die Passion für den Zirkus und für das Unternehmen, ist stets der Erste und der Letzte auf dem Platz. Und vor allem ist er auch ganz unglaublich als Vater und Ehemann. Er teilt zu 100 Prozent mein Leben. Dazu gehört auch, dass wir keine Ferien haben. Nach dem Ende der Tournee geht es nahtlos weiter: Weihnachtsproduktion, Festivalbesuch und dann starten schon wieder die Vorbereitungen für das neue Programm.

Sie übernehmen im Zirkus immer mehr Aufgaben und auch Verantwortung. Es war schon die Rede davon, dass die Leitung mittelfristig an die siebte Generation übergehen soll.

Es stimmt. Franco jun., seine Schwester Doris und ich werden in die Leitungsaufgaben eingeführt. Von einer Übergabe kann aber keine Rede sein. Wir haben das Glück, dass wir mit unseren Vätern den nötigen Rückhalt haben und auch auf ein grosses Know-how vertrauen können. Das ist Gold wert und solange es geht, werden wir alle zusammenarbeiten. Wie das in einem guten Familienunternehmen ist.