Zürich

«Ich bin Moslem und ehre Jesus»: Brücken bauen im Edelweiss-Hemd

Gibt sich als Brückenbauer: Schriftsteller Amor Ben Hamida

Gibt sich als Brückenbauer: Schriftsteller Amor Ben Hamida

Zwischen Muslimen und Christen droht eine Kluft zu entstehen. Der tunesisch-schweizerische Schriftsteller Amor Ben Hamida will ihr mit einer kreativen Aktion entgegenwirken.

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Blickt man aufs scheidende Jahr zurück, fällt eines auf: Die Stimmung zwischen Muslimen und Christen war schon besser. Die Anschläge auf die Redaktion Charlie Hebdo und die Pariser Attentate im November haben bei vielen eine grosse Verunsicherung ausgelöst.

Immer wieder flammen Diskussionen auf, ob der Islam eine gewalttätige Religion ist und ob sich Muslime vom «IS» und anderen Terrorgruppen distanzieren müssten. Das gibt dem tunesisch-schweizerischen Autor Amor Ben Hamida zu denken. Aus diesem Grund hat er sich folgende Aktion ausgedacht: Am Mittwoch wirbt der Muslim in Zürich mit einem Schild, auf dem er sich zu Jesus bekennt, für die Freundschaft zwischen den Religionen.

So, jetzt habe ich mein Plakat abgeholt :-) Nächsten Mittwoch 23.12.2015 stehe ich damit am Zeughausplatz Zürich von 14...

Posted by Amor Ben Hamida on Freitag, 18. Dezember 2015

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«Wir Muslime sollten nicht immer nur davon reden, dass wir friedlich sind, wir müssen es auch zeigen», sagt Ben Hamida auf Anfrage. Am Mittwoch, dem 23. Dezember wird er am Zeughausplatz in Zürich Guetsli und Mandarinli verteilen und mit den Passanten das Gespräch suchen – dafür hat er bei der Stadt eine Bewilligung geholt. «Die Polizei sagte mir, sie fände die Idee super», so der 57-Jährige.

Die Reaktionen auf die Ankündigung waren grösstenteils positiv – bis auf eine Muslimin. Diese machte Ben Hamida auf eine Passage im Koran aufmerksam: Es sei Muslimen nicht erlaubt, sich mit Christen und Juden anzufreunden, und so dürfe man ihnen auch nicht fröhliche Weihnachten wünschen. In einem Video nimmt er dazu Stellung und erklärt, dass man diese Koran-Passage in ihrem historischen Kontext sehen müsse. «Wer das wörtlich nimmt, dürfte nicht in Europa wohnen, sondern müsste nach Saudi-Arabien oder Afghanistan auswandern», so Ben Hamida. «Wenn die Christen die Bibel wörtlich nehmen würden, würden wir alle auf dem Scheiterhaufen landen.»

«Ich werde meinen christlichen Freunden trotzdem frohe Weihnachten wünschen, obwohl das in der islamischen Tradition nicht gang und gäbe ist», sagt der Muslim. «Denn wir leben in einer Welt, in der alle Religionen zusammenhalten müssen.» Er werde deswegen keinen Christen zum Islam bekehren, noch werde er sich bekehren lassen. Es gehe um den Dialog.

Inspiriert wurde Amor Ben Hamida unter anderem vom US-Filmemacher und Aktivisten Michael Moore, der vor dem Trump Tower, dem Hauptquartier des rassistischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, ein Schild in die Höhe hielt: «Wir sind alle Muslime.»

Filmemacher Michael Moore protestiert gegen Donald Trump.

Filmemacher Michael Moore protestiert gegen Donald Trump.

«Ich bin auch auf kritische Gespräche vorbereitet», sagt Ben Hamida. Er hofft jedoch, dass er von Anfeindungen, wie sie Moore sich gefallen lassen musste, verschont bleibt.

Ben Hamida setzt sich schon länger für die Völkerverständigung ein. Er hat zwölf Bücher zu den Themen Migration und Integration geschrieben, gibt Sprachkurse und unterstützt mit dem Verein Swissvision Schüler in seinem Heimatland Tunesien. «Bildung ist die beste Waffe gegen den Extremismus», sagt Ben Hamida.

Dass Ben Hamida auf seinem Ankündigungs-Bild ein Edelweiss-Hemd trägt, ist natürlich kein Zufall. Das Hemd kam kürzlich in die Schlagzeilen, weil es von Schülern benutzt wurde, die damit ihren Stolz auf die Schweiz demonstrieren wollten.

«Ich bin im Appenzell aufgewachsen», sagt Ben Hamida, der seit 45 Jahren in der Schweiz lebt, «und meine Frau kommt aus dem Emmental». Er habe das Hemd schon seit mehreren Jahren und will sich das Recht nicht nehmen lassen, es anzuziehen – darum werde er das auch am Mittwoch tun. Und fügt mit einem Lachen hinzu: «Wenn einer kommt und es mir vom Leib reissen will, soll er nur kommen.»

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