Kaum ist der Ex-Polizeichef von Richterswil wegen Betrug verurteilt worden, steht schon wieder ein Gemeindeangestellter vor Gericht. Nächste Woche muss sich ein ehemaliger Mitarbeiter der Gemeinde Kilchberg am Bezirksgericht Horgen verantworten. Ebenfalls wegen gewerbsmässigem Betrugs und Urkundenfälschung im Amt. Er stellte der Gemeinde und einem Konsortium gefälschte Rechnungen ihnen bekannter Firmen aus, die er vorsigniert hatte. Das Geld floss aber nicht an die Firmen, sondern auf sein Privatkonto. 103'797 Franken waren es insgesamt. Der 41-Jährige hat die Taten zugegeben und das Geld mittlerweile zurückerstattet. Im abgekürzten Verfahren dürfte er zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten und einer Busse von 1500 Franken verurteilt werden. Die Freiheitsstrafe wird mit einer zweijährigen Probezeit belegt, die Busse muss der Beschuldigte bezahlen. Ein anderes Urteil wäre höchstens noch möglich, wenn das Gericht den Vorschlag als unangemessen betrachtet oder der Beschuldigte sein Geständnis zurückzieht. Gemäss Anklageschrift hat der ehemalige Angestellte das Geld genutzt, um private Auslagen und Kreditkartenrechnungen zu bezahlen. Warum er dafür einen illegalen Weg gewählt hat, geht aus der Anklageschrift nicht hervor.

Präsident ist enttäuscht

Herausgekommen ist der Betrug laut dem Gemeindepräsidenten Martin Berger (parteilos) bei den üblichen Abklärungen und Kontrollen durch aufmerksame Mitarbeitende. Der Gemeinderat sei entsetzt gewesen, als er von den Taten erfahren habe, sagt Berger. Der Mann sei umgehend entlassen worden. Das war im Herbst 2017. Der Gemeinderat habe Strafanzeige erstattet, als er vom Fall erfahren habe, und erwarte eine angemessene Bestrafung des Fehlbaren. «Wir waren ausserdem vom Täter persönlich enttäuscht, hatte der Gemeinderat doch den Eindruck einer guten und verlässlichen Zusammenarbeit.» Formal sei der Fall für die Gemeinde abgeschlossen. Dem Beschuldigten hält der Gemeindepräsident zugute, dass er die Taten gestanden, den Vertrauensbruch bereut und den Schaden ersetzt habe.

Offensichtlich hat der Mann das System ausgenutzt. Berger beschreibt das so: «Betrug, wie er hier vorliegt, zeichnet sich dadurch aus, dass der Täter arglistig handelt und andere Personen geschickt hinters Licht führt. Er nutzt vertiefte Kenntnisse über die Abläufe und Systeme beim Arbeitgeber aus.» Der Täter nutze weiter bestehendes Vertrauen und spiegle zum Beispiel mit gefälschten Dokumenten oder falschen Aussagen Dinge vor, die nicht wahr sind. Der Empfänger solcher Dokumente oder Aussagen könne primär nicht wahrnehmen, dass diese gefälscht seien, und er habe auch keine Zweifel daran, denn alles passe ins System. Er kenne diejenige Person, welche sie mit seiner Unterschrift oder Erklärungen versehen weitergeleitet habe, persönlich, was ihn im Glauben bestärke, dass alles rechtens sei. Täter mit Insiderwissen, die genug schlau vorgehen, seien deshalb schwer zu entdecken, wie Berger sagt. Kein Arbeitgeber könne sich lückenlos vor einem solchen Betrug schützen. Am System ändern müsse die Gemeinde nichts, so Berger. Letztlich hätten die Kontrollmechanismen ja funktioniert. Aufgeflogen ist der Täter wohl, weil er der Gemeinde eine private Rechnung unterjubeln wollte. Er hatte beim Onlinegeschäft Digitec Galaxus mehrere Kameras im Wert von über 900 Franken bestellt. Es ist davon auszugehen, dass diese private Rechnung, die so geändert wurde, dass die Gemeinde als Schuldnerin dastand, aufgefallen ist. Es war die letzte gefälschte Rechnung, die er ausgestellt hatte. Alle anderen Rechnungen hatte der Mann im Namen von Firmen oder Personen gestellt, die mit der Gemeinde geschäftlich zu tun hatten. Die Zahlungen sollten für angeblich geleistete Arbeiten erfolgen. Kritische Nachfragen von Kollegen und Vorgesetzten konnte der Beschuldigte so beantworten, dass die Bedenken zerstreut wurden.