Baurekursgericht

Nachbarschaftsstreit: Türkisches Konsulat will Sicherheitszaun für Wohnhaus in Zollikon

Ein Haus, das dem türkischen Generalkonsulat gehört, soll durch einen sehr hohen Sicherheitszaun geschützt werden. (Symbolbild)

Ein Haus, das dem türkischen Generalkonsulat gehört, soll durch einen sehr hohen Sicherheitszaun geschützt werden. (Symbolbild)

Ein Wohnhaus in Zollikon, das dem türkischen Generalkonsulat gehört, soll durch einen Sicherheitszaun geschützt werden.

In einem Zolliker Villenviertel steht, gut geschützt hinter einer Hecke, ein stattliches Haus mit Swimmingpool und diskreten Bewohnern. Woher die Besitzer stammen, zeigt sich der Nachbarschaft durch eine türkische Fahne, die täglich an einem Flaggenmast weht. Wie Recherchen zeigen, dient die Villa als Wohnhaus für das Generalkonsulat Zürich.

Im letzten Herbst wurden sowohl für das Generalkonsulat als auch für das Wohnhaus in Zollikon Baugesuche für einen Sicherheitszaun eingereicht. Im ersten Fall reichte das Konsulat das Gesuch ein, im zweiten das Architekturbüro, das auch für den Zaun in Zürich verantwortlich ist – Diskretion ist alles. Wie eine Anfrage bei der Gemeinde Zollikon ergibt, hat die Baubehörde den Zaun wegen «eines besonderen Sicherheitsbedürfnisses» bewilligt. Mit Verweis auf das Amtsgeheimnis werden weitere Auskünfte vorerst verweigert. In Zürich ist noch keine Bewilligung ausgesprochen worden. Offenbar muss das Konsulat noch Dokumente nachliefern. In Zollikon war die Bewilligung einfacher zu haben.

Doch einige Nachbarn im beschaulichen Quartier sind wenig begeistert von der geplanten Installation, die in Zürich mit einer Höhe von drei Metern angegeben ist. Sie haben Rekurse eingereicht. Das Verfahren ist zurzeit beim Baurekursgericht hängig.

Besonderer Schutz nötig

Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Nachbarschaftsstreit? Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, zeigen folgendes Bild: Die Republik Türkei, die als Rekursgegnerin angegeben ist, beruft sich auf das Wiener Übereinkommen und das Bundesamt für Polizei Fedpol. Ersteres stammt von 1963 und betrifft unter anderem den Schutz von diplomatischen Einrichtungen.

Das Wohnhaus in Zollikon bezeichnet der Anwalt der Türken als Dépendance, also als Teil des Konsulats. Als solches falle das Haus unter einen besonderen Schutz. Konkret heisst es im Übereinkommen: «Der Empfangsstaat hat die besondere Pflicht, alle geeigneten Massnahmen zu treffen, um die Räumlichkeiten der Mission vor jedem Eindringen und jeder Beschädigung zu schützen und um zu verhindern, dass der Friede der Mission gestört oder ihre Würde beeinträchtigt wird.»

Die Nachbarn stellen sich auf den Standpunkt, dass die Residenz durch das Übereinkommen nicht speziell geschützt wird. Die Gegenseite meint, auch die Residenz müsse durch den sogenannten Empfangsstaat geschützt werden.

Die Details der Analyse des Fedpol werden durch die Türken nicht bekannt gegeben. Einzig, dass das Bundesamt bauliche Empfehlungen zum Einbruchschutz empfohlen hat, ist zu erfahren. Ob es also Drohungen gegen das Konsulat oder dessen Mitarbeitende gegeben hat, beispielsweise durch radikale Kurden oder Linksextreme, muss offenbleiben.

Unklar ist auch, ob es nicht andere Lösungen zum Schutz gegeben hätte. Die Nachbarn empfinden den Zaun als unnötig hoch und auffällig. Offenbar preist der Hersteller den praktisch blickdichten Zaun als Hochsicherheitszaun für Gefängnisse an. Er soll gemäss den Nachbarn sogar fünf Meter hoch werden. Der Anwalt der Gegenseite hält aber fest, dass der Zaun in Umfang und Ausmass in das Wohnquartier passe.

Was gilt, wird das Baurekursgericht entscheiden. Das Generalkonsulat und dessen Anwalt haben auf Anfragen nicht reagiert. Man bleibt diskret, niemand soll wissen, wo sich die Residenz befindet. Ein Nachbar hätte übrigens einen eigenen Vorschlag, wie die Residenz geschützt werden könnte: «Die beste und billigste Sicherheitsmassnahme wäre gewesen, die Fahne herunterzunehmen.»

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