18 Jahre lang hat der Mann für die Gemeindepolizei Richterswil gearbeitet, 16 Jahre als Polizeichef. Entsprechend schockiert waren die Gemeindevertreter, als er gestand, Tausende Franken veruntreut zu haben. Geld, das aus den Parkautomaten der Gemeinde stammte. Während vier Jahren leitete er einen Teil der Gebühren auf sein Privatkonto um. Teilweise machte er sich gar der Geldwäsche schuldig, als er einen kleinen Teil des Geldes auf das Konto seiner Mutter weiterleitete.

144000 Franken gingen Richterswil verloren. Selbst vor seinen Arbeitskollegen machte der Polizist nicht Halt. Er stahl den Schlüssel zu einem Tresor, der einem Untergebenen gehörte. Daraus klaute er 600 Franken. Die Taten hat er gestanden.

Im Juni 2018 gab der 48-Jährige noch Auskunft über seine Zukunft. In einem Artikel sprach er von der kürzlich erworbenen Bar und seinem Hobby, dem Tätowieren. Als Hintergrund für die Kündigung gab er an, einen Bandscheibenvorfall erlitten zu haben. Kein Wort davon, dass ein Strafverfahren gegen ihn lief. Mitte Februar 2018 hatte er ziemlich überraschend seine Kündigung eingereicht: Mit dem Antrag, das Arbeitsverhältnis schon per Ende März zu beenden.

Auf Polizeiposten verhaftet

Zwar hat er die ersten Gelder schon 2014 abgezogen. Doch auffällig wurde es erst 2017. Denn bei der internen Kontrolle des provisorischen Jahresabschlusses gab es Abweichungen, die nicht plausibel erklärt werden konnten, wie Gemeindeschreiber Roger Nauer mitteilt. Die Abklärungen begannen.

Eine Woche nachdem die Kündigung des Polizeichefs eingegangen war, reichte die Gemeinde Anzeige gegen Unbekannt wegen Veruntreuung von Geldern im Amt ein. Am 20. März 2018 verhaftete die Kantonspolizei den Kollegen, ausgerechnet an seinem Arbeitsort, dem Polizeiposten. Die Gemeinde stellte ihn per sofort frei. Das Arbeitsverhältnis endete ordentlich Ende März.

Wie konnte das passieren? Das Abrechnen und Einzahlen der Erträge aus der Parkraumbewirtschaftung obliegt dem Polizeichef. Er hatte also direkten Zugriff auf das Geld. Zu Beginn ging der Ex-Polizeichef diskret vor. 2014 überwies er 10 000 Franken auf sein Konto, 2015 waren es 17 000. Doch dann kam, was häufig kommt: Er konnte nicht genug kriegen.

2016 zweigte er schon 38 000 Franken ab. Die 67 000 im Jahr 2017 verloren gegangenen Franken aus der Parkplatzbewirtschaftung fielen dann definitiv auf.
Der Beschuldigte hat auch mehrfache Urkundenfälschung begangen. Gegenüber dem zuständigen Abteilungsleiter und der Finanzabteilung kaschierte er die Abrechnungen. 71 falsche Abrechnungen leitete er weiter.

Die Staatsanwaltschaft hat den Fall zur Anklage gebracht. Der Prozess wird im April in Horgen im abgekürzten Verfahren stattfinden. Der Anwalt des Beschuldigten und der Staatsanwalt haben sich auf einen Strafantrag geeinigt. Der Ex-Polizeichef soll 24 Monate kassieren, die mit einer Probezeit von zwei Jahren belegt wären. Würde nur ein Monat mehr ausgesprochen, müsste er zumindest teilweise hinter Gitter. Eine Busse von 1000 Franken müsste er zahlen.

Noch ist der 48-Jährige nicht verurteilt. Möglich wäre noch, dass er sich am Prozess nicht mit der Strafe einverstanden zeigt oder die Richter den Antrag zurückweisen. Gegenüber dieser Zeitung wollte sich der Beschuldigte nicht zu den Taten oder seinen Beweggründen äussern.