Zürich

Sie erklärt Kindern mit Illustrationen das Coronavirus

«Mir schienen die Kinder im Niemandsland – sie haben mir richtig leidgetan», sagt Priska Wallimann.

«Mir schienen die Kinder im Niemandsland – sie haben mir richtig leidgetan», sagt Priska Wallimann.

Die Infografikerin Priska Wallimann hat ein Büchlein entworfen, das über das komplizierte Thema Corona kindergerecht informieren soll.

Es war in den ersten Wochen im Homeoffice im vergangenen März: Die Infografikerin Priska Wallimann arbeitete zu Hause, hatte das Fenster offen und hörte Kinder auf dem nahen Pausenplatz herumrennen und spielen. Sie vernahm auch öfter deren Eltern, die auf den Nachwuchs einredeten und ihn teilweise beschimpften. In diesem Moment ging der Thalwilerin durch den Kopf: «Wir Erwachsenen sind mit Corona über­fordert, wie sollen es die Kinder verstehen?» Die Pandemie war schon da omnipräsent, doch der Umgang mit ihr immer noch schwierig. «Mir schienen die Kinder im Niemandsland – sie haben mir richtig leidgetan», sagt Wallimann.

Spontan entschied sie sich zusammen mit ihrem Kollegen Marcel Aerni, den Kindern Corona zu erklären. «Ich setzte mir zum Ziel, mit einfachen Illustrationen zu informieren, aber keine Angst zu machen, nicht zu übertreiben, aber auch nicht zu verharmlosen.» Beantwortet werden sollen Fragen wie: Wie können wir uns schützen? Wieso darf ich Oma und Opa nicht mehr besuchen?

Das Coronavirus ist eine pfiffige rote Figur

In kurzer Zeit entstand eine Geschichte, die zuerst bei Wallimanns Arbeitgeber «Blick» publiziert und dann im Wörterseh-Verlag zu einem handlichen Büchlein, ähnlich den bekannten Pixi-Büchern, weiterentwickelt wurde. Dabei erzählt das Coronavirus seine Geschichte gleich selber.

Dargestellt wird es als pfiffige rote Figur. Sie ist kugelrund und trägt scheinbar eine Krone, was dem Virus bekanntlich seinen Namen gab. Es schaut manchmal erfreut und lacht, manchmal scheint es überrascht oder zieht einen Lätsch. Das Virus informiert in der Erzählung: «Ich bin zum ersten Mal unterwegs und mache viele Menschen in kurzer Zeit krank.» Weil es neu sei, erkenne man es noch nicht. Darum könne es sich gut verbreiten. Das sei für die Leute ein Problem. Wie es sich verbreitet, erklärt das Coronavirus im kleinen Büchlein kindgerecht: Beim Niesen oder Husten, beim Händeschütteln und Umarmen. Die Menschen könnten sich aber gut gegen den Krankmacher wehren. Sie gehen weniger an Veranstaltungen und arbeiten von zu Hause aus. Um sich zu schützen, durften Kinder auch eine Zeit lang nicht mehr in die Schule oder in den Chindsgi. Das «normale» Leben könne aber bald wieder zurückkommen, wenn sich alle gemeinsam gegen das Virus wehren würden.

Die zugehörige Illustration zeigt ein vergnügtes Kind, das sich mit Seife die Hände wäscht, wobei die Viren sich verdutzt aus dem Staub machen. Pfiffig ist auch das Bild, wo ein Bub sich in die Armbeuge niest. In der Ausnahmesituation rund um Corona ist zudem das Telefon wichtiger denn je: Kinder halten das Handy ans Ohr und telefonieren mit den Grosseltern, weil sie diese im Moment nicht besuchen dürfen.

«Das macht mich glücklich»

Laut Priska Wallimann gab es viele positive Feedbacks von Erwachsenen, aber auch von Kindern. Die Autorin freute sich vor allem an Rückmeldungen von Kindern, die gesagt hätten: «Jetzt habe ich das Virus verstanden.» Den Erwachsenen gibt das Büchlein ein Werkzeug in die Hand, um den Jüngsten die Ausnahmesituation zu erklären.

Es ist nicht nur auf Deutsch erhältlich, sondern wurde auch in einer französischen Version gedruckt. Als E-Book gibt es das Buch zudem auf Englisch und Italienisch. Priska Wallimann sagt zum Schluss: «Wir kommen nur als Gemeinschaft durch diese Krise, alle zusammen, Jung und Alt. Wenn unser Buch einen kleinen Beitrag dazu leistet, macht mich das glücklich.»

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