Zürich

«Weil der Analmuskel nicht mehr hält» – so erklärt dieser Zürcher SVPler Schwulen-Suizide

Organisiert den «Marsch fürs Läbe» gegen Abtreibungen SVP-Gemeinderat Daniel Regli.

Organisiert den «Marsch fürs Läbe» gegen Abtreibungen SVP-Gemeinderat Daniel Regli.

Dem Zürcher SVP-Gemeinderat Daniel Regli missfielen in der Budget-Debatte die Ausgaben für die Fachstelle für Sexualpädagogik und Beratung «Lust und Frust» – und er macht fragwürdige Aussagen über Schwule.

Jedes Jahr im Dezember absolviert der Zürcher Gemeinderat einen Debatten-Marathon, der in der Schweizer Lokalpolitik seinesgleichen sucht: Das Parlament der grössten Schweizer Stadt befasst sich mit dem Budget für das kommende Jahr. Dieses Jahr rechnet die Regierung bei einem Ertrag von 8.781 Milliarden Franken mit Ausgaben von 8.822 Milliarden.

Über jeden einzelnen Ausgabenposten wird lustvoll und ausufernd gestritten. Gestern Montag ging es um das «Ausgaben- und Stellenwachstum im Bereich der Sonderpädagogik» an den Stadtzürcher Volksschulen. So weit, so unspektakulär. Doch dann ergreift SVP-Gemeinderat Daniel Regli als Sprecher der Minderheit das Wort. Ihm missfallen die Ausgaben für die Fachstelle für Sexualpädagogik und Beratung «Lust und Frust».

Regli empört sich darüber, dass auf der Website der Fachstelle «Dildos nicht nur beschrieben, sondern sogar abgebildet» seien. Während die Liebe kaum oder gar nicht thematisiert werde, werde den Kindern ein regelrechtes «Gender-Kompendium» zur Verfügung gestellt.

Die Aussagen von SVP-Gemeinderat Daniel Regli im Originalton:

Die Aussagen von SVP-Gemeinderat Daniel Regli im Originalton
 

Gemeinderat Regli, der jeweils als OK-Präsident die Anti-Abtreibungs-Demonstration «Marsch fürs Läbe» organisiert, redet sich regelrecht in Rage. Die Kinder würden auf der Website der Fachstelle etwas über die Missionarsstellung erfahren («wer unten und wer oben ist»), die Pille danach und Abtreibungen würden ebenso thematisiert.

Dann kommt der konservative Christ Regli auf Analsex zu sprechen. Zunächst stört ihn, dass im Kompendium der Fachstelle darauf hingewiesen wird, dass in der Antike vaginaler und analer Geschlechtsverkehr gleichbedeutend waren: «Ist das kinder- und jugendkompatibel?», fragt Regli. Vom Analsex ist es dann ein kurzer Weg zur Homosexualität.

Zu diesem Thema unterschlage die Fachstelle «die kritischen Punkte», etwa die Suizidalität bei Homosexuellen oder die Sexsucht, kritisiert Regli. Dann erreicht sein Votum, das immer wieder von Gelächter und Zwischenrufen seiner Ratskollegen unterbrochen wird, seinen fragwürdigen Höhepunkt: «Sie finden nichts darüber, dass sich promiske Homosexuelle zwischen 30 und 40 das Leben nehmen, weil der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht.» Der Saal bricht  daraufhin in schallendes Gelächter aus.

Alan David Sangines ist Co-Präsident der Fachkommission für sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität der SP Schweiz.

Alan David Sangines ist Co-Präsident der Fachkommission für sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität der SP Schweiz.

Nachdem Regli sein Votum zu Ende gebracht hat, antwortet SP-Gemeinderat Alan David Sangines. Er entschuldigt sich bei den Eltern, welche mit ihren Kindern auf der Zuschauertribüne im Zürcher Rathaus der Sitzung beiwohnen: «Ich glaube, ihr müsst euren Kindern heute ganz viele Begriffe erklären.» Dann spricht er die Kleinen direkt an: «Liebe Kinder, das passiert, wenn man keine Aufklärung hatte in der Schule: Dann kommt man zu diesem Weltbild.» Das Gelächter ist dieses Mal noch lauter als bei Reglis Aussage. (cbe)

Den gesamten Wortwechsel gibt es hier als Audio-File nachzuhören (2017/311 Antrag 215).

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