Heute hält der Zug von Basel zum Zürcher Flughafen auch in Dietikon, notabene der grössten Stadt zwischen Zürich und Basel. Dieser Halt könnte in Gefahr sein. «Bekämpft wird die Absicht der SBB, den Dietiker Schnellzugshalt für den Flughafenzug von und nach Basel zu kappen», heisst es im neuen Forderungskatalog des Komitees «Vorwärts Limmattal».

Die SBB und das Bundesamt für Verkehr sagen auf Anfrage, dass der erwähnte, stündliche Flugzug mit dem Ausbauschritt 2035 nicht mehr in Dietikon halten wird. Von einer Streichung wollen sie aber nicht sprechen. Sondern von einem Ersatz.

Denn zwei andere Schnellzüge sollen neu jede halbe Stunde in Dietikon halten. Der eine kommt von Solothurn und Olten her und führt zum Flughafen und dann weiter nach St. Gallen. Der andere kommt von Aarau und Brugg her und führt danach bis zum Hauptbahnhof.

«Anbindung an Wirtschaftsraum Basel ist wichtig»

Somit erhält Dietikon mit dem Ausbauschritt 2035 vier Schnellzüge pro Stunde. «Das schätzen wir. Aber das kompensiert den Wegfall des heutigen Flugzugs nicht. Denn die Anbindung des grossen Limmattaler Wirtschaftsraums an den Wirtschaftsraum Basel ist für uns auch wichtig», sagt Roger Bachmann (SVP). Der Dietiker Stadtpräsident ist auch Präsident des Komitees «Vorwärts Limmattal».

So sehr sich ein Ausflug zu den Barockbauten der Solothurner Altstadt oder zur schweizweit bekannten Oltner Holzbrücke lohnen mag: Eine Pharma- oder Chemiebranche wie Basel haben die beiden Städte nicht zu bieten. «Basel ist wichtiger als Solothurn. Es gibt im Limmattal so einige Pendler, die in Basel arbeiten oder von dort zu uns kommen», sagt Bachmann. Eben auch in der Pharmabranche. So befindet sich in Schlieren beispielsweise das Innovation Center von Roche, das gentechnische therapeutische Antikörper erforscht.

Die Pendlerzahlen in Dietikon sind massiv höher als in Möhlin

Störend aus Limmattaler Sicht ist auch, dass der Flugzug mit dem Ausbauschritt 2025 neu in Möhlin und Stein-Säckingen halten soll. Zum Vergleich: Möhlin hat etwas mehr als 11'000 Einwohner und Dietikon über 27'000. Noch eindrücklicher sind die Unterschiede bei den Passagierzahlen. Der Bahnhof Möhlin zählt täglich 4200 Ein- und Aussteiger, jener in Dietikon 23'300 – und das sind nur die Zahlen der SBB, die Ein- und Ausstiege der Bremgarten-Dietikon-Bahn sind darin nicht enthalten. Zudem hat Dietikon mit Glanzenberg einen zweiten Bahnhof. Dieser zählt 3900 Ein- und Aussteiger pro Tag. Das sind 100 mehr als der Bahnhof Stein-Säckingen täglich zählt. Stein, wie Möhlin im Aargauer Bezirk Rheinfelden gelegen, zählt denn auch weniger als 3500 Einwohner.

«Der Bahnhof Dietikon hat ein riesiges Einzugsgebiet»

Die Stadt Dietikon hat nun verschiedene Hebel in Bewegung gesetzt, um für den schnellen Direktzug von und nach Basel zu kämpfen. Wie Bachmann sagt, hat der Stadtrat bereits die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion um Stellungnahme gebeten. Zudem ist man in Kontakt mit der Aargau Verkehr AG (AVA), die die Bremgarten-Dietikon-Bahn betreibt. Es sei wahrscheinlich auch für die AVA wichtig, dass die Dietiker Direktverbindung von und nach Basel nicht gekappt wird. Denn dies würde auch Pendler vom Mutschellen und dem Reusstal treffen, sagt Roger Bachmann. «Der Bahnhof Dietikon hat ein riesiges Einzugsgebiet. Wir wären froh, wenn auch die SBB merken, wie wichtig dieser Umsteigeknoten ist und wie gross seine wirtschaftliche Bedeutung ist, damit sie das in ihrer Gewichtung berücksichtigen kann.»

Die SBB weisen in Bezug auf den möglichen Wegfall der Direktverbindung Dietikon-Basel grundsätzlich darauf hin, «dass Arbeitspendler und auch Ferienreisende bei einem entsprechenden Angebot primär den schnelleren Zug einem umsteigefreien vorziehen würden».

«Es kommt heute auf jede Minute an»

Solche Einwände lässt Bachmann aber nicht gelten. Längere Reisezeiten und mühsame Umsteigeverbindungen seien ein Killerkriterium im Kampf um gutes Personal. «Es kommt heute auf jede Minute an. Das zeigt sich immer wieder auch in Gesprächen mit Unternehmen, die wir in unser Wirtschaftsgebiet Silbern locken möchten, das noch keine eigene S-Bahn-Station hat. Wenn Limmattaler auf der Reise nach Basel umsteigen müssen, ergibt das einen Zeitverlust.»

«Der Halt in Dietikon ist den SBB ein Dorn im Auge»

Wie der Stadtpräsident sagt, hat Dietikon respektive das Komitee «Vorwärts Limmattal» nur per Zufall davon erfahren, dass der Flugzug nicht mehr in Dietikon halten soll. «Gemeinden werden leider nicht in ein entsprechendes Vernehmlassungverfahren einbezogen. Aber wir wissen, dass der Halt in Dietikon den SBB ein Dorn im Auge ist.»

Ob Dietikon mit dem Wegfall des heutigen Flugzugs per Ausbauschritt 2035 jegliche Direktverbindung nach Basel verliert, ist offenbar noch offen. «Eine belastbare Aussage ist hiezu derzeit mit diesem Zeithorizont leider noch nicht möglich», sagt dazu ein SBB-Sprecher auf Anfrage.