Gastkommentar
Generation «Schwein ghaa» und ein Scherbenberg so hoch wie das Matterhorn

Der Komiker empfiehlt seinen Altersgenossen, sich jetzt auch solidarisch zu zeigen gegenüber den Jungen, die jetzt die «Pandemie-Scherben», ein Berg so hoch wie das Matterhorn aufräumen müssen, während sie AHV und Rente geniessen – und vielleicht sogar noch einen «rechten Schübel» geerbt hätten.

Peach Weber
Peach Weber
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Die junge Generation wird allerhand aufzuräumen haben, befürchtet der Komiker Peach Weber.

Die junge Generation wird allerhand aufzuräumen haben, befürchtet der Komiker Peach Weber.

Dino Nodari

Sicher haben Sie sich in den letzten Monaten immer wieder gefragt: «Wie geht es wohl Peach, wie meistert er diese unsägliche Situation?» Nein, haben Sie natürlich nicht und das ist auch Ihr gutes Recht, denn Sie hatten schliesslich selber genug Probleme. Sie mussten Ihr Leben neu organisieren oder zumindest umgestalten.

Und, weil Sie ein kluges Kerlchen oder Kerlinchen sind, wussten Sie auch genau, dass diese Bredouille dem hinterlistigen Virus zu verdanken ist und nicht etwa dem behüteten Berset, wie es dümmliche Politiker Ihnen weismachen wollen. So im Sinne von: «Einfach den Berset einschläfern und das Problem wäre gelöst.» Ist halt eine Folge davon, dass wir bei den Wahlen von den Kandidaten nicht vorgängig einen IQ-Test verlangen.

Das nur am Rande, zurück zu Ihnen. Je nach dem, was Sie beruflich machen, wurde Ihr Leben auf den Kopf gestellt. Vielleicht waren Sie übermässigem Stress ausgesetzt, zum Beispiel als Pöstlerin oder Liefer-Chauffeur, den der Chef zum DPDeppen degradierte. Vielleicht waren Sie auch zur Untätigkeit verdammt als Wirt, Veranstalter oder gar Pausenclown, wie ich und meine Berufskollegen.

Wenn Sie aber Glück hatten, waren Sie gut versorgt als Beamter, Politiker, oder gar als Manager (etwas Systemirrelevanteres gibt es kaum). Gut, auch ein Manager, dessen Bonus auf zehn Millionen gekürzt wurde, muss das Haushaltsgeld neu einteilen.

Eine Situation, die vorher nie war und nachher nie mehr sein wird

Also, ich möchte explizit meine Generation ansprechen und zwar hier in der heimeligen Schweiz. Nur ihr allein möchte einen Gedanken mit auf den Weg geben: Wir sind die Generation «Schwein ghaa»! Wir sind nämlich die Generation, die den letzten Krieg noch knapp verpasst hat und jetzt, in dieser globalen Seuche, schon pensioniert, also beruflich kaum betroffen ist. Zudem gehören wir noch nicht einmal zu der höchsten Risikogruppe! Das wäre doch ein freudiges «Juhui!» wert.

Unser Leben war doch geprägt von einer stetigen Aufwärtsbewegung, mehr Lohn, mehr Konsum, immer neue Elektronic-Spielzeuge bis hin zum Computer, sorglose Produktion von Müll, ohne sich gross Gedanken zu machen.

Kalter Krieg, Tschernobyl, Vogelgrippe, Finanzkrise kannten wir mehr vom Hörensagen oder haben uns zumindest nicht existentiell bedroht.

Und jetzt erhalten wir die AHV, die meisten eine anständige Rente, einige kamen sogar noch in den Genuss, einen rechten «Schübel» zu erben. Das ist eine Situation, die vorher nie war und nach uns nicht mehr sein wird. Und erst jetzt trifft uns diese Katastrophe vor allem, weil wir zeitweise nicht zum Coiffeur durften oder eine Kreuzfahrt absagen mussten.

Wäre doch eine gute Idee, den schwerer betroffenen Generationen zu helfen

Gehen wir doch einen Moment in uns, kommen wir dann wieder heraus mit einem zufriedenen Lächeln und helfen wir den schwerer betroffenen Generationen, aus der Krise mit einem blauen Auge davonzukommen (auch wenn es dunkelblau ist). Das sind für mich zuallererst die Kinder und Jugendlichen, ihretwegen blutet mein altes Lehrerherz.

Mein Vorschlag: Gebt den Jungen vor uns die Möglichkeit zu impfen, nicht, dass sie wieder die letzten sind, die von Impf-Privilegien profitieren. Das wird zu Unruhen führen.

Meine Überzeugung ist, liebe Mit-Generatiönler, dass wir zum Jammern sehr wenig Grund haben. Es wäre doch keine schlechte Idee, wenn gerade wir Schweingehabthabenden nach dem ganzen Schlamassel den Jungen gegenüber, die, meiner Meinung nach, sehr viel Solidarität gezeigt haben, auch solidarisch wären und ihnen helfen würden beim Aufräumen der Pandemie-Scherben und Lösen anstehender Grossaufgaben. Das Klimaproblem ist nämlich nicht weg, es hat sich nur hinter dem Baum versteckt.

Da kommt mir gerade in den Sinn, hat unser Universalgelehrter Köppel eigentlich seinen Standard-Tweet schon losgelassen: «Drei Wochen Nachtfrost im April, wo bleibt die Klimaerwärmung?» Oder ist er etwa gescheiter geworden?

Peach Weber steht als Komiker seit rund 40 Jahren auf der Bühne und will bis zu seiner Abschiedsvorstellung 2027 weiter machen.