Medien
Es gibt ein Leben nach Whatsapp – aber es ist kompliziert

Threema, Signal, Telegram, Hangouts – längst hat unser Autor den Überblick verloren, welcher Freund wo zu Hause ist. Chatten ist ganz schön anstrengend geworden.

Raffael Schuppisser
Merken
Drucken
Teilen

Shutterstock

Sich von Whatsapp zu verabschieden, ist wie Nestlé-Produkte zu boykottieren. Kann man. Doch muss man sich das Leben wirklich noch komplizierter machen? Überall tadellos sein kann man ja ohnehin nicht. Dass Idealismus dennoch etwas bewirken kann, habe ich kürzlich erlebt. Ausgerechnet derjenige, welcher das Snowboardweekend für die Gruppe organisieren sollte, vollzog den Whatsapp-Exit. Erstaunlicherweise ist das Wochenende nicht ins Wasser gefallen, stattdessen fanden wir uns alle auf Threema wieder.

Mit jeder weiteren Messenger-App wird das Leben ein Stück vertrackter. Signal, Telegram, Wire, Hangouts, Threema – längst habe ich den Überblick verloren, welcher Freund wo zu Hause ist. Und da viele mehrgleisig unterwegs sind, fragt sich jeweils, welches die schnellste Leitung ist. Schliesslich kann man unmöglich alle ständig im Auge behalten.

All die Whatsapp-Alternativen führen die Fragmentierung fort, welche die Streaming-Dienste begonnen haben. Einst musste man Netflix haben, und gut war. Nun braucht man auch Disney+, Amazon Prime, Apple+ und Sky Show. Nur so geht man sicher, nichts zu verpassen. Und ob der Beobachtung all der Kanäle kommt man gar nicht mehr zum Bingewatchen, verpasst also alles.

Wie einfach war das doch, als man nichts anders tun konnte und musste, als den Fernseher einzuschalten. Da war auch die Kommunikation noch simpel. Gab es da doch was, das alle hatten. Es hiess – genau – SMS.