Kommentar
Der Booster kommt endlich auch für unter 65-Jährige: Und wieder hat die Schweiz wertvolle Zeit verloren

Längst war klar, dass es wegen Delta eine Drittimpfung braucht. Die Schweizer Behörden zögerten zu lange. Umso wichtiger ist jetzt, dass das Impfen und Boostern schnell vorankommen. Sonst droht in der Advents- und Weihnachtszeit wieder das, was wir zuletzt wollen.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Der deutsche Virologe Christian Drosten und auch viele Schweizer Wissenschafter weisen wiederholt auf die Notwendigkeit des Boosterns hin.

Der deutsche Virologe Christian Drosten und auch viele Schweizer Wissenschafter weisen wiederholt auf die Notwendigkeit des Boosterns hin.

Reiner Zensen / www.imago-images.de

Die Drittimpfung für unter 65-Jährige kommt nun auch in der Schweiz, und man fragt sich, warum erst jetzt? Einmal mehr ging wertvolle Zeit verloren. Es war seit langem klar, dass wegen der Delta-Mutation die Doppelimpfung nicht ausreichen würde. Wer zwei Dosen erhalten hat, verringert zwar massiv die Gefahr, sich zu infizieren, und wenn er Delta doch einfängt, ist ein schwerer Verlauf äusserst selten. Aber andere Menschen anstecken kann er eben doch. Der deutsche Virologe Christian Drosten hat es in der «Zeit» unmissverständlich formuliert:

«Wir haben nur einen geringen Nutzen von vollständig geimpften Erwachsenen, die sich nicht boostern lassen.»

Unglücklich wäre, wenn der Booster in der Schweiz zuerst «off-label» verabreicht werden müsste, weil die Heilmittelbehörde Swissmedic die Zulassung noch nicht erteilt hat. Nutzen und Wirksamkeit des Boosters sind von US- und EU-Behörden längst bestätigt, darum braucht das niemanden zu beunruhigen. Trotzdem, in den impfskeptischen Teilen der Bevölkerung dürfte das nicht vertrauensbildend sein. Auch hier die Frage: Warum geht's nicht schneller?

Zu lange haben die Behörden den Sinn der Drittimpfung heruntergespielt und betont, nun müssten zuerst jene geimpft werden, die noch keine Dosis erhalten haben. Das eine tun und das anderen nicht lassen, hätte es stattdessen heissen müssen, die Impfwoche wäre dafür ideal gewesen. Diese Chance ist vertan.

Nun gilt es schnell vorwärts zu machen, die Rekordfallzahlen in Österreich und Deutschland, verbunden mit rapide steigenden Spitaleinweisungen, sollten uns eine Warnung sein. Impfen und Boostern ist die einzige Alternative zu 2G, Lockdowns und neuen Kontaktbeschränkungen, die schädlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die Wirtschaft sind.

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