Kommentar
Fall Brian: Wer im Justizvollzug keine Kooperation zeigt, ist kein Opfer

Die Schweizer Medien kritisieren die Isolationshaft in Gefängnissen scharf. Bei dieser Massnahme geht es aber darum, Gefahr von Mithäftlingen und Aufsehern abzuwenden. Der bekannte Häftling Brian hätte längst bessere Haftbedingungen erreichen können. Aber er lehnte es strikt ab, sich therapieren zu lassen.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Die Justizvollzugsanstalt Pöschwies im Kanton Zürich, wo der bekannte Häftling Brian lange in Isolationshaft sass.

Die Justizvollzugsanstalt Pöschwies im Kanton Zürich, wo der bekannte Häftling Brian lange in Isolationshaft sass.

Matthias Scharrer / LTA

Nach einer Intervention des Bundesgerichts hat die Zürcher Justizdirektion entschieden, dass der landesweit bekannte Häftling Brian aus der Einzelhaft in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in ein Untersuchungsgefängnis verlegt wird.

In verschiedenen Schweizer Medien wurde die Isolationshaft, in der Brian seit Jahren steckt, als unmenschlich, ja gar als «Folter» beschrieben. Der «Tages-Anzeiger» schreibt im Zusammenhang mit längeren Einzelhaften von einer «beschämenden Praxis» und von einer «Schande».

Es steht ausser Zweifel, dass die Isolation eines Gefangenen nur eine Ultima Ratio sein kann. Sie wird angewendet, wenn vom Häftling eine Gefahr für die Aufseher und Mitinsassen ausgeht. Bei Brian war dies der Fall. Er attackierte mehrmals Gefängniswärter und war voller Wut und Aggressionen, wie er 2020 in einem Beitrag der «Rundschau» selber erklärte.

Die Redaktorin des Schweizer Fernsehens fragte den Häftling, warum er sich nicht therapieren lasse. Brian wies die Möglichkeit einer Therapie kategorisch zurück und erklärte, dass er zufrieden mit sich selbst sei.

Es liegt auf der Hand, dass dieser Häftling eine lange Therapie braucht, damit er dereinst ein einigermassen normales Leben führen kann. Wenn ein Gefangener nun aber das Instrument ablehnt, das zu einer Verbesserung seiner Lage führen kann – liegt die Verantwortung dann bei den Justizbehörden? Soll man sie dafür geisseln, dass sie die Einzelhaft verlängern? Sie ordnen eine Isolationshaft nicht an, weil es ihnen Spass bereitet. Es geht darum, eine Gefahr abzuwenden.

Einen Häftling von jeglicher Selbstverantwortung zu entheben, ist falsch. Brian hätte schon früher bessere Haftbedingungen erreichen können, hätte er ein wenig Einsicht gezeigt und Hilfe angenommen. Die grosse Aggressivität dieses kräftigen Mannes muss gezügelt werden. Anders geht es nicht.

Der Justizvollzug stösst an Grenzen, wenn er es mit Menschen zu tun hat, die keine Bereitschaft zur Kooperation zeigen. Fragwürdig ist es, wenn die Medien diese Personen als Opfer darstellen. Wer keinen Beitrag leisten will zur Besserung der eigenen Lage, ist kein Opfer.

Brian wird nun auch im Untersuchungsgefängnis zunächst isoliert. Man will sehen, ob er ausreichend kooperiert – sodass Kontakte mit anderen Häftlingen nicht allzu riskant sind. Es liegt jetzt nur an Brian, ob er diese Chance packt.

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