Kommentar
Impfgutscheine, nein danke: Der Bundesrat ist mit seiner Idee gescheitert – warum das trotzdem keine Niederlage ist

Nach scharfer Kritik aus den Kantonen lässt der Bundesrat seinen Impfbonus fallen. Ideen sollen auch scheitern dürfen.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Impfgutscheine sind vom Tisch: Gesundheitsminister Alain Berset fand bei den Kantonen kein Gehör.

Impfgutscheine sind vom Tisch: Gesundheitsminister Alain Berset fand bei den Kantonen kein Gehör.

Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 13. Oktober 2021)

Man konnte von der Idee halten, was man will – unkonventionell war sie zweifellos: Wer andere dazu motiviert, sich gegen Corona impfen zu lassen, sollte einen Gutschein im Wert von 50 Franken erhalten. Das schlug der Bundesrat vor zwei Wochen vor. Nun hat er den Vorschlag beerdigt. Eine peinliche Niederlage? Ein unsäglicher Patzer? Von wegen!

Zumindest aus demokratiepolitischer Sicht ist der Rückzieher eine gute Nachricht. Der Bundesrat hat nämlich genau das getan, was das Epidemiengesetz verlangt: Er hat eine Konsultation durchgeführt und sich eines Besseren belehren lassen. Die Kantone kritisierten die Impfgutscheine scharf, geisselten sie wahlweise als «erpresserisch», «unethisch» oder «unschweizerisch». Die Landesregierung hat die Bedenken brav erhört – was in dieser Krise beileibe nicht immer der Fall war. «Trial and Error» nennt man dieses Prinzip; versuchen und scheitern also.

Es ist ein Allgemeinplatz, aber es stimmt: Ideen sollen auch scheitern dürfen. Vor allen Dingen in einer nie da gewesenen Krise, für deren Lösung es keine vorgefertigten Rezepte gibt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Ideen erst gar nicht mehr formuliert werden.

Denn solche sind weiterhin dringend gefragt: Die schnelle Durchimpfung ist der beste Weg, um die Pandemie zu beenden. Doch das Impftempo ist in der Schweiz zu langsam. Und es wird von Tag zu Tag mühsamer und teurer, noch mehr Menschen von einem Piks zu überzeugen.

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