Kommentar
Mit dieser Affäre hat Kurz Österreich geschwächt – und seinen Glanz verloren

Stefan Schocher, Wien
Stefan Schocher, Wien
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Der Kanzler Österreichs steht in der Krise.

Der Kanzler Österreichs steht in der Krise.

Keystone

Sebastian Kurz hat seinen Glanz verloren. Selbst wenn er nichts gewusst hätte von Absprachen mit Medien oder frisierten Umfragen stellte sich die Frage: Ist jemand fähig, ein solches Amt auszuüben, wenn er von all den Vorkommnissen nichts mitgekriegt hat?

Die neuen Vorwürfe gegen Kurz zielen direkt auf die Wurzel seines politischen Erfolges. Als er die ÖVP übernahm, waren Umfragen seine argumentative Munition. Das, und das Versprechen, neu zu regieren.

Die Verbissenheit, mit der sich Kurz jetzt an der Macht festklammert, passt nicht in dieses Bild. Ebenso unverständlich ist der nahezu paranoide Wahn, ein linkes Netzwerk in der Staatsanwaltschaft stecke hinter dem Vorgehen gegen ihn. Das Justizressort ist eine ÖVP-Hochburg schlechthin.

Der Schaden, den Kurz angerichtet hat, ist enorm. Er hat sich selbst über Institutionen gestellt – und damit Institutionen geschwächt. Was bleibt ist das Bild eines Mannes, der seit seinen politischen Jugendjahren immer nur von Fürsprechern umgeben war – und der den frisierten Umfragen womöglich tatsächlich geglaubt hat.

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