Super League
Der Fernseh-Fussballboom kennt keine Grenzen

Die Swiss Football League erhält pro Jahr 28 Millionen Franken aus TV-Übertragungsrechten. Im Vergleich mit dem Ausland sind das Peanuts.

Markus Brütsch
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Keystone

Es ist viel los auf dem Schweizer Transfermarkt. Mehr als 60 Spielerwechsel sind in der Super League bis jetzt, zehn Tage vor Transferschluss, vollzogen worden. Für Experten sind dies nur die Vorboten eines noch viel hektischeren Treibens an den Transferbörsen der kommenden Jahre. Ausgelöst vom neuen Fernsehvertrag der Premier League, der den Fussball innerhalb von drei Jahren mit 10,7 Milliarden Franken überschwemmt. Wird folglich erstklassiger Fussball bald nur noch in England zu sehen sein, weil das Geld die besten Profis allesamt auf die Insel lockt? Am FCB-Talk@Novartis hat Heribert Bruchhagen diese Befürchtung relativiert. Trotz der bereits bestehenden finanziellen Vorteile hätten die englischen Klubs im Europacup bisher noch keinen durchschlagenden Erfolg gehabt, sagte der Boss von Eintracht Frankfurt. Und verwies darauf, dass auch die europäischen Klubs von den gut gefüllten Kassen der Premier-League-Vereine profitieren würden.

Gut möglich, dass der FCB auf 50 Millionen für Embolo hofft

Gerade haben dies ja auch zwei Schweizer Klubs erfahren. GC hat seine Nachwuchshoffnung Shani Tarashaj für 4,5 Millionen Franken an den FC Everton verkauft, der FC Basel den Ägypter Mohamed Elneny gar für mehr als 15 Millionen an den englischen Titelanwärter FC Arsenal. Gut möglich, dass der FCB auch deshalb standhaft geblieben ist und sein Juwel Breel Embolo nicht für 30 Millionen Franken an den Bundesligisten VfL Wolfsburg abgegeben hat, weil er im Sommer bei einem Verkauf des Ausnahmetalents an einen englischen Klub mit 50 Millionen liebäugelt.

Der Fernseh-Fussballboom kennt keine Grenzen. Die deutsche Bundesliga fordert mehr TV-Geld und rechnet künftig mit 1,5 Milliarden Franken pro Jahr. Das wäre dann so viel, wie die Swiss Football League – Stand heute – total für 53 Jahre bekommt. Diese versteckt sich zwar nicht und ist mittlerweile in fast fünfzig Ländern, von Argentinien bis Tunesien, mit Übertragungen präsent. Die Krux: Diese Auslandsrechte bringen der Swiss Football League jährlich nicht einmal eine halbe Million Franken ein. Was aber ist die höchste Schweizer Spielklasse im eigenen Land wert? Diese Frage ist im Hinblick auf die im Frühjahr zu erfolgende Neuausschreibung der Übertragungs- und Vermarktungsrechte wohl spannender als jene nach dem nächsten Schweizer Meister. Bei zehn Punkten Vorsprung lässt sich der FC Basel den siebten Titel in Folge nicht mehr nehmen.

Im Vergleich mit anderen kleinen Ländern sieht es düster aus

28 Millionen Franken an TV-Geld (inklusive der vier Millionen durch die Hauptsponsoren) erhält die SFL derzeit. Weil es vor zehn Jahren noch lediglich 6,6 Millionen gewesen waren, könnte man glauben, der jetzige Vertrag sei nicht übel. Doch im Vergleich mit anderen kleinen Ländern wie Dänemark und Belgien sieht es düster aus. Die Dänen erhalten 57 Millionen Franken, die Belgier gar 75. Doch die Ligaspitze um Präsident Heinrich Schifferle und CEO Claudius Schäfer hat in dieser Woche Signale ausgesendet, dass auch in der Schweiz das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sei. Selbst wenn die SRG zu verstehen gegeben hat, dass sie sparen muss. Es stünden deutlich mehr Interessenten bereit, auch ausländische, die nun um die Rechte ab 2017 mitbieten würden, liess die Liga wissen. Sie will nun verschiedene Pakete (Live-Übertragungen, Zweitrechte, Highlights) anbieten. Roger Müller, Medien- und Marketingchef der SFL, hofft, von den technologischen Vorteilen in der Schweiz zu profitieren und dank neuen Übertragungswegen der bewegten Bilder auf die verschiedensten Geräte neue Kunden zu generieren. 70 Millionen Franken würden vielleicht auch in der Schweiz einmal Realität, hat Schifferle vergangenen Herbst dem «TagesAnzeiger» seinen Traum verraten. Wie auch immer. Die Haupteinnahmequellen werden in der Schweizer Liga weiter die Zuschauereinnahmen und die Transfers ins Ausland sein.

Apropos: Die Super-League-Klubs haben ein paar interessante Spieler akquiriert. Was haben Alexander Fransson, Andraz Sporar und Renato Steffen dem FCB und den Fans im St. Jakob-Park zu bieten? Schiesst der Russe Aleksandr Kerschakow den FC Zürich aus dem Abstiegskampf? Vermag der alte Haudegen Philippe Senderos die GC-Abwehr zu stabilisieren? Schön, geht es morgen endlich wieder los.