Kommentar
Impftourismus in der Schweiz: Privilegierter Zugang zur Coronaimpfung muss zwingend verhindert werden

Dass ein südafrikanischer Milliardär sich in der Schweiz impfen lässt, ist ein Hohn für Risikopersonen, die sehnlichst auf einen Impftermin warten. Vakzine dürfen nicht nach den Regeln des freien Marktes verpiekst werden.

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Dass ein südafrikanischer Milliardär sich in der Schweiz impfen lässt, ist ein Hohn für Risikopersonen, die sehnlichst auf einen Impftermin warten.

Dass ein südafrikanischer Milliardär sich in der Schweiz impfen lässt, ist ein Hohn für Risikopersonen, die sehnlichst auf einen Impftermin warten.

Keystone/LAURENT GILLIERON

«Bis Ende Januar sind keine freien Termine mehr vorhanden». Wer in den letzten Wochen versucht hat, sich in der Schweiz einen freien Impftermin zu ergattern, der bekam in den allerallermeisten Fällen eine solche Antwort. Falls er denn nicht schon in der Telefonwarteschlaufe stecken blieb, wie viele Personen in Medienberichten beklagten.

Und dann dies: ein südafrikanischer Milliardär fliegt in die Schweiz und lässt sich in einer Thurgauer Klinik, die zu seinem Firmenimperium gehört, impfen. Eine Testimpfung zwar, doch dies dürfte den Hohn, den die Risikogruppen empfinden dürften, kaum mildern. Im Kanton Thurgau sind Stand Donnerstag erst 0,9 Prozent der Bevölkerung geimpft. Mit seinen 70 Jahren zählt der Milliardär, dem auch ein bekanntes Luxusunternehmen gehört, nicht einmal zu den Risikopersonen.

Das Signal, das mit seiner Ausnahmeimpfung ausgesendet wird, ist fatal. Wenn knappe medizinische Produkte nach den Regeln des freien Marktes verteilt werden, dann haben wir eine Zweiklassenmedizin. Fehlendes Risikoalter oder fehlende Nationalität lassen sich dabei kaufen. Dabei hatte der Thurgauer Gesundheitsdirektor selbst im Zusammenhang mit der Quarantäne unlängst behauptet: «Bei uns werden VIPs behandelt wie Herr und Frau Meier.»

In der Schweiz kommt die grosse Mehrheit der vorhandenen Impfdosen zum Glück dorthin, wo sie zuerst hingehört: in die Oberarme von Risikopersonen und von Gesundheitspersonal. Da der Impfstoff vorerst nur in kleiner Menge vorhanden ist, muss privilegierter Zugang für Einzelpersonen zwingend verhindert werden. Dafür stehen der Staat, der die Impfdosen beschafft hat und die Kantone, die sie verpieksen lassen, in der Verantwortung.