Service public
Keine Frage des Geldes

Forscher der Freien Universität Berlin haben die Programme von SRF, RTS und RSI mit den deutschen Pendants ARD und ZDF verglichen: SRG-Sender berichten weniger über Politik als ARD und ZDF, politische Themen machen im Schweizer TV maximal 11 Prozent aus.

Lorenz Honegger
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Zu viel Unterhaltung. Diesen Vorwurf muss sich SRG-Generaldirektor Roger de Weck in der Debatte um die Zukunft des Service public regelmässig anhören.

Zu viel Unterhaltung. Diesen Vorwurf muss sich SRG-Generaldirektor Roger de Weck in der Debatte um die Zukunft des Service public regelmässig anhören.

KEYSTONE/WALTER BIERI

Die SRG bezeichnet die «krasse Diskrepanz der finanziellen Mittel» als Hauptgrund dafür, dass ihre TV-Sender im Vergleich zu den Kollegen bei ARD und ZDF deutlich weniger über Politik berichten. Mit Verlaub: Das ist ein eher dünnes Argument, um den Befunden der Freien Universität Berlin die Brisanz zu nehmen.

Politische TV-Sendungen müssen nicht teuer sein, wie das Beispiel der «Arena» zeigt. Eine Ausgabe der Diskussionssendung kostet die Gebührenzahler 42 000 Franken. Das klingt nach gar nicht so wenig, ist in der Welt der Fernsehmacher aber ein Klacks. Auch die journalistisch wertvollen Recherchen des SRF-Magazins «Rundschau» kosten mit 105 000 Franken pro Folge deutlich weniger als Unterhaltungskisten wie «Happy Day» oder «Kilchspergers Jass-Show», die mit durchschnittlich knapp 600 000 Franken zu Buche schlagen.

Fehlende Gebührengelder sind nicht der Hauptgrund für das geringere Ausmass der Politikberichterstattung in der Schweiz. Die Wahrheit liegt an einem anderen Ort: bei den Einschaltquoten. Man muss kein TV-Profi sein, um zu wissen, dass sich die Massen mit politischen Inhalten nicht vor den Fernseher locken lassen. Und: Die SRG hat im Vergleich zu den deutschen Kollegen weniger Einschränkungen bei der Werbung und somit einen starken Anreiz, auf quotenträchtige Sendungen zu setzen.

Eine mögliche Schlussfolgerung könnte lauten, dass die SRG in Zukunft ihr Programm verstärkt auf Inhalte ausrichten muss, die sich für die Privaten aus wirtschaftlichen Gründen nicht lohnen. Dazu gehört auch und vor allem die Politikberichterstattung.