Frankreich
Mit Fillon in der Sackgasse

Stefan Brändle, Paris
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Präsidentschaftskandidat François Fillon.

Präsidentschaftskandidat François Fillon.

KEYSTONE/AP AFP Pool/THOMAS SAMSON

Die französischen Republikaner stecken in der Klemme: Egal ob sie an ihrem Präsidentschaftskandidaten François Fillon festhalten oder einen unglaubwürdigen Ersatzkandidaten bestimmen, droht ihnen der sicher geglaubte Wahlsieg zu entschwinden. Und je länger sie eine Vollbremsung hinauszögern, desto näher rückt der Wahltermin.

Die wohl einzig mögliche Alternative, der allseits respektierte Ex-Premier Alain Juppé, zeigt keinerlei Lust, nach seiner Primärwahlschlappe gegen Fillon ersatzweise ins Rennen zu steigen. Und selbst wenn er bereit wäre, könnte ihm der offizielle und legitime Kandidat, der Fillon nun einmal ist, problemlos den Weg versperren. Die Republikaner sind insofern auch ein Opfer ihrer sehr gaullistischen Chefkultur: Diese ermöglichte es Fillon, nach seiner Investitur auch gleich den Parteiapparat zu kontrollieren und damit jeden Aufstand im Keim zu ersticken.

Die Konservativen, aber auch die Sozialisten und andere besorgte Bürger fragen sich bang, ob die Sackgasse namens Fillon nicht in der Mauer enden wird – das heisst im Wahlsieg der Rechtsextremistin Marine Le Pen. So weit ist es allerdings noch nicht: Der wohl schnelllebigste Präsidentschaftswahlkampf der Fünften Republik ist keineswegs am Ende.

Mit dem unabhängigen Jungstar Emmanuel Macron, der Fillon schon überflügelt hat und Le Pen im Nacken sitzt, hat erstmals ein parteiloser Zentrumspolitiker reelle Wahlchancen. Vieles deutet auf ein Duell Le Pen gegen Macron hin. Extreme Rechte gegen politische Mitte: Das wäre an sich schon ein absolutes Novum für ein Land, in dem die Konservativen und Sozialisten das politische Leben seit den Zeiten de Gaulles bestimmen. Aber es wäre noch nichts im Vergleich zur Revolution, wenn Le Pen in den Élysée-Palast einzöge.