Kommentar
Überzeugend und mutig: IOC schliesst Russland von Olympia aus

Rainer Sommerhalder
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Wird in Pyeongchang nicht zu sehen sein: Die russische Flagge.

Wird in Pyeongchang nicht zu sehen sein: Die russische Flagge.

KEYSTONE

Endlich! Das Internationale Olympische Komitee verstösst Russland aus seiner Mitte, schliesst das Land von Olympia 2018 aus. Das IOC macht dabei auch vor hohen Tieren wie dem russischen Vize-Premierminister Witali Mutko nicht Halt. Und es schützt damit die sauberen Athleten – auch die russischen.

Wenn Zahlen Wahrheiten widerspiegeln, dann ist Russland im Sport der uneingeschränkte Dopingweltmeister. Kein anderes Land produzierte in jüngster Vergangenheit nur annähernd so viele positive Fälle. Allein die 100 gedopten Olympiateilnehmer in den letzten zehn Jahren stehen für ein systematisches Vorgehen. Neben den Athleten also auch das System hart zu bestrafen, ist konsequent und entspricht der Logik. Aber ist das Urteil auch gerecht?

Die Frage lässt sich nicht beantworten. Doping funktioniert oft nach einer einfachen Gleichung. Im Sozialismus hilft der Staat mit, im Kapitalismus die Wirtschaft. Beste Beispiele sind die ehemalige DDR oder aktuell Russland zum einen, die Rad-Skandale um das deutsche Team Telekom oder Lance Armstrong – der sein eigenes Dopingunternehmen führte – zum andern.

Tatsache ist: Russlands dunkle Machenschaften im Sport wurden nicht durch das reguläre Kontrollsystem aufgedeckt. Mutige Whistleblower, investigative Medien und eingefrorene Urinproben stehen für den aktuellen Erfolg. Es stellt sich also die Frage:Wenn die Dopingfahnder bei Russland nicht reüssierten, wie steht es denn bei anderen Nationen? Sind die anderen vernünftiger als die Russen oder einfach nur gerissener?