Mein Leben im Dreiland
Als die Bahn noch im Elsass endete

1845 wurde die Bahnstrecke zwischen Strassburg und Basel eingeweiht. Zur Geschichte der Bahnstrecke ist derzeit in Saint-Louis im Maison du Patrimoine eine kleine Ausstellung zu sehen.

Peter Schenk
Peter Schenk
Merken
Drucken
Teilen
Mein Leben im Dreiland
5 Bilder
Anderer Blick auf Modell des alten Bahnhofs von Saint-Louis von 1840.
Ein alter Plan der Zugstrecke Strassburg - Basel.
In rot und grün der Elektrozaum der neutralen Zone während des Ersten Weltkriegs.
Passierscheine während des Ersten Weltkriegs.

Mein Leben im Dreiland

Peter Schenk

Am 11. Dezember 1840 wurde in Saint-Louis der vorläufige Endbahnhof der fast 140 Kilometer langen Bahnstrecke von Strassburg bis vor die Tore Basels eingeweiht. Bis die restlichen 2,6 Kilometer in die Schweiz fertiggestellt wurden, sollten noch einmal fünf Jahre vergehen. Der Bahnhof entstand an der heutigen Spitalstrasse und wurde ebenfalls an einem 11. Dezember, aber eben 1845, in Betrieb genommen.

Die Fahrt auf der ersten internationalen Strecke in die elsässische Hauptstadt, die als Doppelspur konzipiert war, dauerte vier Stunden. Bei der Einfahrt in Basel wurde ein Eisenbahntor erstellt, das jeweils zwischen dem letzten Zug um 21 Uhr und dem ersten um 5.50 Uhr geschlossen wurde. Das Bahnhofgebäude wurde vom aus Delle stammenden Architekten Jean-Baptiste Schacre geplant, er hat auch den Bahnhof von Mulhouse gebaut. Bereits 1860 aber verschwanden Eisenbahntor und Bahnhof, und die französische Bahn wurde über den Birsig-Viadukt in den neuen Centralbahnhof geführt, wo der Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz entstand (Quelle: Hans-Jörg Renk, Weltpremiere in Basel, Elsass-Gazette).

Zur Geschichte der Bahnstrecke ist derzeit in Saint-Louis im Maison du Patrimoine, was so viel wie Kulturerbe heisst, eine kleine Ausstellung zu sehen. Sie zeigt unter anderem zwei Modelle des Bahnhofs von Saint-Louis von 1840. 1911 wurde der noch heute bestehende Bahnhof von Saint-Louis gebaut. Auf einem alten Faltplan kann man sich den Streckenverlauf zwischen Basel und Strassburg anschauen. Eine entscheidende Rolle bei Bau und Finanzierung der Eisenbahnstrecke spielte der elsässische Industrielle Nicolas Koechlin. Bei den Texten fehlt leider eine deutsche Übersetzung; wer überhaupt kein Französisch spricht, wird Mühe haben.

Das Maison du Patrimoine befindet sich seit 2012 in einer restaurierten Druckerei. Zu sehen sind derzeit auch viele historische Fotos zum 5er-Tram, das bis 1957 von Basel bis Saint-Louis fuhr und dann durch eine Buslinie ersetzt wurde. «An der Grenze musste damals der Tramfahrer durch einen Elsässer ersetzt werden», erzählt Jocelyne Straumann, die als Adjointe au Maire unter anderem für das Kulturerbe und die «Société d’Histoire», den Geschichtsverein, zuständig ist. Auf einem Foto von 1956 sind die elsässischen Trammitarbeiter zu sehen. «Zwei von ihnen leben noch und sind in die Ausstellung gekommen», berichtet Jocelyne Straumann.

Ein weiterer Ausstellungsteil ist dem Ersten Weltkrieg gewidmet. So verfügt die Stadt über eine grosse Sammlung an Postkarten aus dieser Zeit. Eine Karte zeigt, dass 1917 ein Teil des Südelsasses durch einen Elektrozaun vom übrigen Elsass und von Basel abgetrennt war. Zu sehen sind auch Passierscheine und Essensmarken. Da das Elsass damals zum Deutschen Reich gehörte, sind etliche Ausstellungsstücke auch deutschsprachig. In einer Vitrine liegt ein winziges deutsch-französisches Wörterbuch. Die Ausstellung über die Bahnstrecke ist nur noch zweimal an den beiden Sonntagen vom 6. und 27. März von 10 bis 12 Uhr zu sehen. Die Öffnungszeiten werden allerdings grosszügig gehandhabt und Interessierte können, selbst wenn sie keine Gruppe sind, einen Termin für eine kleine Führung und Besichtigung abmachen.

Maison du Patrimoine 3, rue Saint-Jean, Saint-Louis.
Tel. 0033 3 89 70 02 95;
Natel: 0033 6 44 29 44 59
www.histoire-saint-louis.fr
jocelyne.straumann@ville-saint-louis.fr