Giftköder
Auch Hunde-Dramen dürfen schmerzen

Selbstverständlich gehen uns die grossen Dramen, wie sie zum Beispiel gerade in Nepal geschehen, sehr nahe. Im Vergleich dazu sind unsere kleinen Leiden im Alltag nicht mehr so relevant. Doch auch diese «kleinen» Dramen, können einem erschüttern.

Martina Rutschmann
Martina Rutschmann
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Spuren eines Hunde-Dramas an der Bundesstrasse entlang dem Schützenmattpark.

Spuren eines Hunde-Dramas an der Bundesstrasse entlang dem Schützenmattpark.

Martina Rutschmann

Ja, natürlich sind die Flüchtlingsdramen auf dem Mittelmeer und anderswo schlimmer als die kleinen Sorgen, die uns im hiesigen Alltag plagen. Natürlich ist es schrecklicher, wenn in Nepal Tausende Menschen bei einem Erdbeben sterben, als wenn hier ein Baum umfällt. Es sind die dramatischsten und traurigsten Wahrheiten der Gegenwart – ohne Zweifel.

Trotzdem gibt es sie, die kleinen, persönlichen Dramen. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich unter einer starken Erkältung leide und meinen Kollegen deshalb die Ohren voll jammere? Weil die Erkältung in meinem Fall kaum tödlich enden wird, ich aber davon ausgehen muss, dass einer meiner Kollegen einen Bekannten hat, der Krebs hat – oder gar ein Kollege selber schwerer krank ist als ich? Nein. Denn meine Erkältung ist mein kleines Problem und macht mir zu schaffen. Ich kann gleichzeitig genug empathisch sein, um zu wissen, dass andere schlimmere Krankheiten haben und mein Problem streng genommen gar keines ist. Soll ich deswegen schweigen? Nein, es wäre heuchlerisch.

Wenn die bz über vergiftete Hunde im Schützenmattpark berichtet, ist gewiss: Manche Leute regen sich auf, dass dem Thema so viel Platz eingeräumt wird, während gleichzeitig Millionen Menschen viel schrecklichere Dinge erleben. Die Kritiker haben recht, objektiv betrachtet passieren schlimmere Dinge. Für die betroffenen Hundebesitzer ist das Schicksal ihres Tieres an diesem Tag aber das Schlimmste, auch wenn es für andere nur eine Erkältung sein mag. Doch jeder hat seine Erkältung, immer – und das, obwohl es uns objektiv gesehen sehr gut geht.