Persönlich
Ball gespielt: Notfallstation

Von Weicheiern und Windhunden, von Gazellen und Katzen – und von 35-jährigen Senioren.

Michael Nittnaus
Michael Nittnaus
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Fussballer sind Weicheier – so das Klischee.

Fussballer sind Weicheier – so das Klischee.

Keystone

Fussballer sind Weicheier. Während im Rugby die Knochen gleich reihenweise bersten und die Muskelberge einfach weiterrennen, dreht der gemeine Fussballer schon bei einem kleinen Schubser eine dreifache Pirouette und hält sich schreiend die Hände vors Gesicht. So weit das Klischee. Vergangenes Wochenende war ich das Weichei. Es lief die 50. Minute auf der Sportanlage Bachgraben in Allschwil. Gegen Español Basel lag ich mit meinen Old Boys 3:0 in Front, als ich steil für einen Konter lanciert wurde. Schnell wie ein Windhund raste ich los, liess die Hülle des 35-jährigen Seniorenkickers hinter mir und näherte mich gazellengleich dem Ball.

Leider schien auch mein Gegenspieler sein Alter zu vergessen, holte mich ein und grätschte mir den Ball in einer Perfektion von den Füssen, die ich gerne voller Bewunderung beklatscht hätte, wenn mich die Grätsche nicht ebenfalls voll erwischt und auf einen Langstreckenflug geschickt hätte. Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf, bevor ich auf den Boden der Tatsachen aufprallte, vor allem aber: Mann, bin ich alt.

Anstatt katzenartig auf allen vieren zu landen, krachte ich auf die linke Seite und damit auf meine Hüfte. Der Schmerz war unbeschreiblich. Auch unbeschreiblich war, dass ich mir am Boden wälzend anhörte, wie die Gegner riefen: «Kein Foul, Ball gespielt, Zeitspiel.» Recht haben sie, Weichei, dachte ich – und klappte zusammen. Mit der Ambulanz gings auf die Notfallstation. Diagnose: nur eine Hüftprellung. Was hätt ich mir doch einen Bruch gewünscht.