Wochenkommentar
Das neue Motto der Linken: «Gier ist geil!»

Martina Rutschmanns Wochenkommentar über den Machtanspruch der Basler Linken

Martina Rutschmann
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Das Fünferticket bei einer Pressekonferenz.

Das Fünferticket bei einer Pressekonferenz.

bz Basel

Sie sind die grossen Gewinner, die Linken in Basel. Die Wählerinnen und Wähler haben letzten Sonntag die grüne Elisabeth Ackermann bereits im ersten Umgang in die Regierung gehievt und den SVP-Kandidaten Lorenz Nägelin abgestraft. Er bekam sogar weniger Stimmen als die ultralinke Heidi Mück von der Basta, der ursprünglich kaum Chancen eingeräumt wurden. Basel will die rot-grüne Mehrheit behalten und keine SVP in der Regierung.

Daran wird sich im zweiten Wahlgang kaum etwas ändern. Die Linken könnten frohlocken und es dabei belassen. Das reicht ihnen aber nicht. Sie empfinden plötzlich ein Gefühl, das sie zutiefst verachten, wenn andere davon getrieben werden: Gier. Es ist die Gier nach mehr. Die Gier nach der ganz grossen Macht.

Im Gegensatz zu den skrupellosen Abzockern mächtiger Konzerne wollen die Linken aber nicht nur sich selber bereichern, sondern auch das Wahlvolk. Das ist ihnen nicht zu verübeln. Nach dem Erfolg vom Sonntag sind sie gezwungen, den Durchmarsch zu versuchen. Heidi Mück hat viel zu gut abgeschnitten, um sie aus dem Rennen zu nehmen. Überdies würde ein solches Manöver ihre Wählerinnen und Wähler vor den Kopf stossen.

Bloss: Was soll die Wählerschaft damit anfangen? Rot-Grün bietet ihr eine ungleich aufgeteilte Regierung an, bestehend aus fünf Linken und zwei Bürgerlichen. Die Basler haben aus linker Sicht die Wahl zwischen Pest und Cholera und dem unendlichen Glück: zwischen dem bürgerlichen Päckchen mit dem Bisherigen Baschi Dürr (FDP) und dem Neuen Lorenz Nägelin und dem linken Duo mit dem Bisherigen Hans-Peter Wessels (SP) und Senkrechtstarterin Heidi Mück. Eine andere Kombination kommt für die Linke im zweiten Wahlgang nicht infrage.

Ist diese Strategie schlau? Nein, sie ist kurzsichtig und anstössig, vor allem wenn man sie nach linken Wertvorstellungen beurteilt. Gier heisst: Ich kann den Hals nicht voll bekommen, nach mir die Sintflut. Doch Gier ist nun einmal eine menschliche Regung, die sich zum Beispiel nach überraschenden Wahlerfolgen einstellt. Es ist nicht an den Linken, ihre Strategie zu ändern, sondern an den Wählern, diese zu hinterfragen.

Egal was künftig schief läuft, Rot-Grün wäre schuld

Wenn Heidi Mück den angeschlagenen Sicherheitsdirektor Baschi Dürr tatsächlich vom Thron stösst, schlägt die Euphorie in Basel nach einer Weile ziemlich sicher in Empörung um: Egal, was dann schief läuft im Kanton – die links-grüne Regierung wird schuld daran sein. Schon bisher war die linke Mehrheit oft Sündenbock; bei der angestrebten Übermacht aber gingen die verbleibenden zwei Bürgerlichen, Lukas Engelberger (CVP) und Conradin Cramer (LDP), endgültig unter in der öffentlichen Wahrnehmung. Das könnte zur Folge haben, dass das ach’ so linke Basel in vier Jahren nach einem wie Nägelin lechzen wird. Das wäre ein Trauerspiel für die Linken.

Wo wäre der Nachteil für die Wähler? Er würde vermutlich nicht bekommen, was er will – und zwar nicht erst bei den nächsten Wahlen, sondern schon sehr bald. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass die von Rot-Grün angestrebte linke Regierung unter den 5:2-Umständen gar nie zu einer solchen wird. Mit den alten Hasen von der SP sitzen bereits jetzt drei, oder sagen wir, fast schon drei, in der neuen Regierung, die wissen, wie der Laden läuft. Hans-Peter Wessels schafft die Wiederwahl voraussichtlich locker. Er ist aber schon so lange im Amt, dass er sich nicht mehr von weltverbesserischen Einfällen leiten lässt. Das tut er vielleicht punktuell, seine Rolle aber wird spätestens dann eine andere, wenn gleich zwei Unverbrauchte aus dem ganz linken Lager dazukommen.

Fünf Linke führt nicht zu
einer linkeren Politik

Mit ihm würden sich auch Christoph Brutschin und Eva Herzog wohl automatisch noch mehr «einmitten». Bereits jetzt handeln die SP-Doyens teilweise liberaler, als den richtig Linken lieb ist. Das jetzige Mass an Liberalismus ist für sie aber gerade noch zu verkraften. Bei einer noch deutlicheren rot-grünen Regierungsdominanz müssten die drei Genannten ihre Politik noch bürgerlicher gestalten. Dies im Sinne eines Ausgleichs. Und das Wahlvolk würde sich fragen: War es wirklich das, was wir wollten, als wir fünf Linke angekreuzt haben?

Politik sollte ehrlich sein. Und auch vernünftig. Das kann sie mit einer 5:2-Regierung nicht. Daher wäre es ratsam, der Souverän würde die beiden angebotenen Päckchen auseinanderreissen und nach seinem Geschmack neu kombinieren. Die Mehrheit haben die Linken sowieso, auch mit dem Bisherigen Duo Wessels/Dürr.