Asylsuchende
Das Problem, das niemand sehen will

Arlesheim eröffnet eine provisorische Not-Unterkunft mit maximal 100 Plätzen für Asylsuchende. Eine erfreuliche Nachricht in der laufenden Asyldebatte, in der immer häufiger das Schliessen der Grenzen gefordert wird.

Benjamin Wieland
Benjamin Wieland
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Auch Familien ziehen hier ein: neue temporäre Asyl-Unterkunft in Arlesheim.

Auch Familien ziehen hier ein: neue temporäre Asyl-Unterkunft in Arlesheim.

Benjamin Wieland

Arlesheim nimmt ein halbes Jahr lang bis zu 100 Asylsuchende auf. Das ist eine erfreuliche Nachricht in der laufenden Asyldebatte, in der immer häufiger zu hören ist, die Schweiz müsse ihre Grenzen schliessen, ansonsten werde man von Flüchtlingen «überschwemmt».

Erst am Montag enervierte sich eine Anruferin auf «Telebasel», die Flüchtlinge sähen «gut genährt» aus. Was sie wohl damit sagen wollte: Erst, wenn sie nicht mehr fähig sind zu gehen, müssen wir sie aufnehmen. Dass derart geschwächte Menschen nicht zu denjenigen gehören, die eine Flucht überhaupt auf sich nehmen können, daran dachte die Anruferin wohl kaum.

Mit den Asylsuchenden verhält es sich wohl ähnlich wie mit der Armut: Man weiss, dass es sie gibt. Aber die Mehrheit der Schweizer will sie nicht sehen müssen. Der Staat soll das Problem lösen, möglichst unauffällig – selber jedoch will man damit möglichst wenig zu tun haben.

Symptomatisch die Frage, die an der Medienkonferenz am Dienstag gestellt wurde: Ob die Bewohner der Anlage frei herumlaufen dürften, wurde Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller gefragt, denn schliesslich befinde sich gleich in der Nachbarschaft eine Badi. Zeller antwortete, sie dürften sich frei bewegen – nicht ohne sogleich zu versichern, es sei noch nie zu Problemen gekommen.

Insgeheim hoffte aber wohl auch Zeller, dass die Asylsuchenden in ihren unterirdischen Schlägen bleiben und nicht allzu oft in der Badi auftauchen. Denn ansonsten könnten die Flüchtlinge doch noch zum Problem werden in Arlesheim – sie wären nämlich plötzlich nicht mehr unsichtbar.

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