Nationalrat
Das Wählen sollte einfach bleiben

122 Menschen bewerben sich für fünf Basler Nationalratssitze. Das politische Interesse ist da, aber die Verwirrung der Wähler genauso.

Nicolas Drechsler
Nicolas Drechsler
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Blick in den Nationalratssaal.

Blick in den Nationalratssaal.

© 2011 Béatrice Devènes

Nationalratswahlen, das ist der Moment, in dem das Volk, also wir, aus seiner Mitte seine Repräsentanten in Bern wählt. Gerade mal fünf Sitze stehen zur Verfügung, 122 Menschen bewerben sich um sie. Das ist zuallererst einmal eine gute Nachricht. Das Interesse an politischer Beteiligung und Verantwortung ist offensichtlich da.

Was eher störend ist, ist die unglaubliche Anzahl an Unterlisten, die vor allem die grossen bürgerlichen Parteien ins Feld schicken. Die Listen der Jungparteien seien hier einmal ausgenommen, sie sind sozusagen das Aufzuchtbecken für Politiker.

Was aber eine «Gewerbeliste», eine «Liste 55+» und «Frauenlisten» bringen sollen, ausser dem Hauptkandidaten auf der Liste der Mutterpartei Stimmen zu liefern, ist fraglich. Ein Mehr an Demokratie bringen sie ganz sicher nicht. Ein Mehr an Auswahl vielleicht. Und ein Mehr an Verwirrung sicher auch, was hoffentlich nicht in einer tiefen Wahlbeteiligung endet.

Vielleicht aber bewirken sie auch nur das, was man den jungen Listen auch schon vorgeworfen hat: Sie ermöglichen es den Parteien sich stolz in die Brust zu werfen und zu jubeln: seht her, wir tun etwas für die Frauen, für das Gewerbe, für die Älteren! Und auf ihrer Hauptliste, dort wo der Match entschieden wird, den Parteigranden keine allzu grosse Konkurrenz erwachsen zu lassen. Der innerparteiliche Kampf um die Listenplätze entlang der Kriterien Vernetzung, Geschlecht, Alter und so weiter wird sozusagen ausgelagert und dem Wähler überlassen. Ob das eine gute Entwicklung ist, ist fraglich.