Kommentar
Dem FC Basel fehlt die internationale Klasse

Anders als in der Liga wird der FC Basel gestern von Arsenal London phasenweise vorgeführt. Es fehlt an vielem. Auch der Trainer muss sich ankreiden lassen, die falsche Taktik gewählt zu haben.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Urs Fischer ist nach der Leistung nicht zum Lachen zu Mute. Arsène Wenger schon.

Urs Fischer ist nach der Leistung nicht zum Lachen zu Mute. Arsène Wenger schon.

Keystone

Es ist ein Bild, das die Schweiz vom FC Basel kaum kennt. Der Meister ist gegen Arsenal immer einen Schritt zu spät, wird ausgespielt, phasenweise gar vorgeführt. Der zweite Auftritt in der Champions League endet mit der zweiten Enttäuschung. Willkommen in Europas Realität, FCB!

Es ist vor allem die Art und Weise der Niederlage, die schmerzt. Das Resultat, dieses 0:2, ist noch das Beste. Der Abend hätte zahlenmässig viel schlimmer enden können. Trotz der Steigerung zum Schluss. Natürlich, es wäre vermessen, ein Unentschieden oder gar einen Sieg gegen ein englisches Topteam wie Arsenal zu erwarten. Von einem Exploit wie gegen Chelsea, Manchester United oder Liverpool war der FCB gleichwohl weit entfernt. Dass der Abend so enttäuschend verläuft, ist ernüchternd. Aber kein Zufall.

Diese FCB-Ausgabe ist spielerisch wohl eine der schwächsten der letzten Jahre. Die enorme Breite des Kaders kann das nicht kaschieren. Es fehlen Leader. Und es fehlen Spieler, die mit einer Einzelleistung den Unterschied ausmachen können. Spieler wie Shaqiri oder Xhaka, wie Frei oder Streller, wie Stocker oder Salah. Vor dem Spiel gab sich FCB-Präsident Bernhard Heusler überzeugt, dass im Verein über die Jahre ein Geist gewachsen sei, der auf Erfolg programmiert ist.

Walcott trifft für Arsenal gleich doppelt gegen den FCB.
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Arsenal - Basel
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Arsène Wenger kann zufrieden sein.

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Dass der Erfolg also unabhängig ist von den Spielern, die gerade für Basel spielen. Er irrte. Der FCB ist zwar national kaum gefordert, die Fehler fallen erst international auf – und da wirkt das Team plötzlich überfordert.

Kommen wir zum Trainer, Urs Fischer. Seine Bilanz auf europäischem Parkett ist so ernüchternd wie das gestrige Spiel. Natürlich leidet er darunter, dass sein Team nicht mehr die Qualität vergangener Jahre hat. Trotzdem sei die Frage erlaubt: Wäre ein solcher FCB-Auftritt auch unter Murat Yakin oder Paulo Sousa möglich gewesen? Wohl kaum. Seine Taktik gestern ist missglückt. Nun ist auch er gefordert, international Lösungen zu finden.

Der FC Basel hat sich mit seinen Leistungen in den letzten Jahren in Europa viel Respekt erarbeitet. Doch nun ist er an einem kritischen Punkt angekommen. Er muss aufpassen, dass er sich diesen Respekt nicht verspielt. Nach dem gestrigen Abend bleibt vorerst nur ein Ziel. Irgendwie den dritten Rang erreichen, damit der FCB im neuen Jahr wenigstens in der Europa League spielen kann. Das wird schwierig genug.