Fahrende
Der Ärger weicht der Übelkeit

Die Fahrenden in Basel werden auch von ihrem neusten Standplatz vertrieben. Einem, auf dem sie die drei Monate abwarten wollten, bis der Staat ihnen ein offizielles Provisorium anbietet. Der Grund: Ihre Wohnwagen stören dort laut Pro Natura Kriechtiere und Pflanzen.

Nicolas Drechsler
Nicolas Drechsler
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Bis gestern standen die Fahrenden auf der Wiese beim ehemaligen Rangierbahnhof.

Bis gestern standen die Fahrenden auf der Wiese beim ehemaligen Rangierbahnhof.

Roland Schmid

Ausgerechnet die Pro Natura. Nach dem Präsidialdepartement wehrt sich nun auch die Naturschutzorganisation gegen einen Standplatz für Fahrende. Deren Anwesenheit auf einer Geröllhalde auf dem Rangierareal der Deutschen Bahn soll ein paar seltenen Unkräutern und Eidechsen das Leben schwermachen. Und zwar unter anderem durch den Schattenwurf der Wohnwagen.

Die Naturschützer schaffen das, was dem Präsidialdepartement – trotz ziemlicher Anstrengungen – bis anhin nicht gelungen ist: Die Fahrenden geben auf. Sie verzichten vorerst auf ihr in der Bundesverfassung festgesetztes Recht, im Kanton Basel-Stadt einen Standplatz zu haben, und verziehen sich ins Baselbiet. Mit dem Eindruck, auch im 21. Jahrhundert noch Opfer von Missachtung und Vertreibung zu sein. In ihrem eigenen Land. Denn wir reden hier nicht über Sinti und Roma, wir sprechen über Jenische, über Schweizer also. Nicht dass das einen Unterschied machen sollte. Aber als Erkenntnis bleibt: Wir schützen in einem Stadtkanton lieber Kriechtiere, als unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu ihrem verbrieften Recht zu verhelfen.

Dies ist der vierte Kommentar zu diesem Thema an dieser Stelle innert Jahresfrist. Und noch immer veranstaltet die Verwaltung einen Eiertanz. Noch immer toleriert man die Hobby-Zigeuner auf dem illegalen Wagenplatz im Hafen und scheucht gleichzeitig eine anerkannte ethnische Minderheit in der Gegend herum.

So langsam ist das nicht mehr nur ärgerlich. Es erregt echte Übelkeit.

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