Basler Kommentar
Der Banntag ist ein verbindender Anlass

Warum nimmt ein Stadtbasler seit 18 Jahren am Liestaler Banntag teil? Der Basler Nationalrat Markus Lehmann erklärt im Basler Kommentar seine Faszination für Tradition und Partnerschaft.

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Dieser junge Liestaler lebte den diesjährigen Banntag mit Haut und Haaren.

Dieser junge Liestaler lebte den diesjährigen Banntag mit Haut und Haaren.

Roland Schmid

Am Montag ziehen die Mannen wieder durch Liestal, es ist Banntag und es knallt und raucht, trommelt und pfeift und es herrscht eine positive Stimmung, bei Liestaler Bürgern, Tschamauchen und Gästen. Aus der ganzen Schweiz wird angereist, um bei einer der vier Rotten mit Hut, Stock und Wanderausrüstung mitzumarschieren. Am Hut sind befestigt Flieder, Tulpen und Welschgras (Weidelgras), so sagt es die Tradition.

Sie werden sich fragen warum schreibt ein Stadtbasler über diese Ur-Tradition von Liestal und vor allem warum nimmt er seit 18 Jahren regelmässig daran teil.

Dieser Brauch hat was Spezielles an sich. Da werden die Grenzen der Stadt Liestal abgeschritten und jedem wird wieder bewusst, wie viel Land die Stadt hat und, die Grenzsteine werden kontrolliert und wieder zurechtgerückt, falls es jemand versucht hätte, diese zu verschieben. So war es früher. Heute verschiebt kaum mehr jemand Grenzsteine und wenn sich auf politischer Ebene doch noch jemand erdreistet, neue Steine zu setzen, dem werden die Grenzen dann unvermittelt mitgeteilt und aufgezeigt. So ist das in Liestal und wird es auch noch lange sein.

Was kann man vom Liestaler Banntag mitnehmen und warum macht es jedes Jahr wieder Freude daran teilzunehmen? Der Liestaler Banntag – viele sagen sogar es sei der einzig richtige Banntag in der Nordwestschweiz – führt Menschen zusammen, unter der klaren Einhaltung der über 600 jährigen Tradition. Er hat eine verbindende Funktion erhalten in den letzten 30 Jahren, insbesondere auch dadurch, dass viele Basler und Gäste an diesem brachialen Anlass teilnehmen.

Freundschaften werden geschlossen und jedes Jahr erneuert und gepflegt. Gespräche über Partnerschaften in wirtschaftlichen, politischen und nicht zuletzt sportlichen Themen dominieren einen Tag lang in der Natur, bei «Muff», «Schüblig» und «Schoggimakrönli».

Dass man auch schon vom «Harrassenlauf für Erwachsene» geredet hat, ist schon fast dreist und hat damit zu tun, dass man beim fröhlichen Zusammensein auch ab und an einen «schlechten» Muff erwischen könnte. Bref, ich kenne kaum einen Anlass in der Nordwestschweiz, der so viele Emotionen auslöst, bei Gegnern des Banntages wie auch bei den begeisterten Teilnehmern. Neben der Fasnacht und dem FC Basel ist es einer der verbindenden Anlässe, wo man plötzlich vergisst, dass man ja die Grenzen aufzeigen will – wem auch immer – und der ohne Basler und Gäste kaum mehr vorstellbar wäre. Lassen wir die Grenzen wo sie sich befinden, (sie verschmelzen ohnehin von selber und man spürt sie immer weniger) und freuen uns über die partnerschaftlichen Grossanlässe, wie der Banntag in Liestal einer ist! Ich freue mich heute schon wieder auf das Bild am Basler Bahnhof, wenn sich am Montagmorgen ganze «Rotten» in aller Früh aufmachen, nach Liestal, um die nachbarlichen Freundschaften zu pflegen und auszubauen. Dass jeweils auch Regierungsräte dabei sind, bestärkt meine Überzeugung, dass der Banntag in Liestal mehr ist als ein Anlass mit Gewehr und Pulverdampf. Und, vielleicht nehmen die Magistraten etwas mit von diesem «Dampf» in ihre Amtsstuben!?

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