Persönlich
Der Baselbieter lügt

Michel Ecklin
Michel Ecklin
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Schöne Aussicht von der Sissacherfluh.

Schöne Aussicht von der Sissacherfluh.

Seit vielen Jahren schreibe ich über Baselbieter Gemeinden. Doch ich wohne in Basel. Deshalb fragen mich Baselbieter oft ungläubig: «Was, Du wohnst mitten in der Stadt? Das könnte ich nie!» Und ich frage dann meist zurück, warum mein Gegenüber unbedingt im Landkanton wohnen will. «Weil ich schnell ins Grüne will», «Ich bin gerne in der Natur», «Als Landmensch bin ich gerne im Wald», so ungefähr lauten dann die Antworten.

Also stelle ich mir vor, wie Horden von Baselbietern in jeder freien Minute noch schnell raus in den Wald stürmen, den Sonnenuntergang auf dem Hügel über ihrer Gemeinde geniessen oder am Wochenende stundenlange Wanderungen unternehmen, natürlich bei jedem Wind und Wetter, mit Hund und Kindern und Grillwurst.

In den vergangenen Monaten war ich viel auf den Baselbieter Wanderwegen unterwegs. Wartenberg, Sissacherflue, Blauen, Belchen: All das sind wunderbare Orte – und fast menschenleer. Egal, ob die Sonne scheint oder Schnee liegt, werktags oder am Wochenende, Agglomeration oder Oberbaselbiet: Man hat Wald und Wiesen meist für sich allein. Wo sind denn all die Baselbieter, die sich mir gegenüber als Naturfreunde bezeichnen?

Wenn ich am Morgen von Basel nach Liestal zur bz fahre, sehe ich in der Gegenrichtung die vollen Züge und den Stau auf der Autobahn. Da denke ich: Der durchschnittliche Baselbieter geht wohl häufiger nach Basel als in den Wald hinter seinem Einfamilienhäuschen. Ich werde also ständig angelogen. Aber mir soll das recht sein. Hab ich eben den ganzen Wald für mich allein.

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