Mein Leben im Dreiland
Die Fahrt mit dem Bus ins Elsass wird viel teurer

Auf Ende Jahr verdoppeln sich die Preise für den Bus von der Schifflände nach Saint-Louis. Die Schweizer Seite hat die Inbetriebnahme der 3er-Tramverlängerung genutzt, um eine Ausnahmeregelung zu bereinigen. Bis zum Dreiland-Tarifverbund ist es weit.

Peter Schenk
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öV im Dreiland

öV im Dreiland

Peter Schenk
Der Billettautomat des Lörracher Verkehrsverbunds im Bahnhof Basel SBB

Der Billettautomat des Lörracher Verkehrsverbunds im Bahnhof Basel SBB

Peter Schenk

Ich habe mir gründlich die neuen Tarife angeschaut, die ab Ende Jahr auf der 3er-Tramverlängerung nach Saint-Louis und den Busverbindungen zwischen dem Südelsass und Basel gelten sollen. Insbesondere bei Letzteren gibt es erhebliche Preissteigerungen. Bisher konnte man von der Schifflände mit den hellblauen Bussen von Distribus für gerade mal 1,50 Euro nach Saint-Louis fahren. Damit ist es ab Dezember vorbei. Die gleiche Fahrt kostet dann mit 2,80 Euro fast das Doppelte.

In Schweizer Franken kommt dieser Tarif Inflex, wie er heisst, auf 3,10. Wie die elsässischen Medien berichten, war es die Schweizer Seite, die seit Jahren auf die Beendigung der günstigen Ausnahmeregelung auf den grenzüberschreitenden Buslinien drängte. Mit der Inbetriebnahme der 3er-Tramverlängerung wird dies bereinigt. Der gleiche Tarif Inflex gilt für Fahrten mit dem Tram zwischen Bahnhof Saint-Louis und Barfüsserplatz. Darüber hinaus, also ins TNW-Tarifgebiet, wird es mit 4 Euro für Elsässer richtig teuer. Natürlich ist die 3er-Tramverlängerung ein super Angebot, das auch viel gekostet hat, aber ich frage mich, ob die für Frankreich teuren Tarife nicht den Umsteigeeffekt auf den öV, den man sich von der Tramverlängerung erhofft, beeinträchtigen wird.

In Strassburg läuft das anders. Dort fährt das Tram seit kurzem über die Grenze bis zum Bahnhof von Kehl (D). Ein einfaches Ticket kostet 1,70 Euro. Kauft man zehn sinkt der Preis gar auf 1,40 Euro. Im Südelsass hat man anscheinend verstanden, dass viele Franzosen, die nicht täglich nach Basel fahren und deshalb kein Abo lösen, bei einem Preis von 2,80 Euro zweimal schlucken werden. So bietet der südelsässische Zweckverband für 15 Euro eine Jahreskarte an, mit der jedes Ticket nur noch 2,20 Euro kostet.

Beim Tarif Inflex gibt es in Basel keine weitere Ermässigungen. Weder für Kinder, noch für GA- oder Halbtax-Besitzer. Das U-Abo hingegen soll voraussichtlich wie auf der 8er-Tramverlängerung ins deutsche Weil am Rhein gültig sein. 3 Franken oder 2,40 Euro kostet es, wenn man innerhalb von Weil die eine oder zwei Stationen bis zur Endhaltestelle fährt. Ich finde das teuer. Neulich habe ich den Fehler gemacht und mit einem Fünfliber bezahlt. Ich bekam gerade noch 1,60 Euro zurück.

Paradox wird es, wenn man vom Bahnhof SBB mit der S-Bahn nach Lörrach fährt. Am Gleis steht ein Automat des Regio Verkehrsverbunds Lörrach (RVL). Die einfache Fahrt kostet hier 3,25 Euro. Löst man sie am TNW-Automaten wird man 4,70 Franken los. Das ist ein Preisunterschied von über einem Franken. Damit ist es aber bald vorbei: Wie bereits berichtet sollen die Preise für die grenzübergreifenden Billette auf Ende Jahr angepasst werden. Fragt sich nur in welcher Richtung? Läuft es wie mit den Franzosen werden die Südbadener in Zukunft für die Fahrt nach Basel tiefer in die Tasche greifen müssen.

Bis zum von vielen Regio- und Verkehrspolitikern geforderten grenzüberschreitenden Verkehrsverbund ist es ein weiter Weg. Dazu würde gehören, dass das Schweizer GA auch auf den Tramverlängerungen gültig ist wie das nach Weil bereits der Fall war. Die letzte Motion von Jörg Vitelli zum Thema wurde im Grossen Rat von über 30 Politikern jeder Couleur unterzeichnet. Die Basler Regierung bezeichnete sich erst als nicht zuständig, bevor sie vom Parlament verdonnert wurde, sich doch damit auseinanderzusetzen. Antworten muss sie bis 2021 – gut öV will Weile haben.

peter.schenk@bzbasel.ch