Mein Leben im Dreiland
Die französischen Autobahnen werden teurer. Bald folgt die Maut in Deutschland

In Frankreich schlagen die Gebühren für die Benutzung der Autobahn um bis zu vier Prozent auf. Zum Glück ist die Fahrt von Basel nach Strassburg weiter gratis. Dafür werden die deutschen Nachbarn die ausländischen Autofahrer ab 2019 zur Kasse bitten.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Grenzübergang Saint-Louis/Basel. Dahinter beginnt die elsässische Autobahn. Sie ist gratis - eine Ausnahme in Frankreich.

Grenzübergang Saint-Louis/Basel. Dahinter beginnt die elsässische Autobahn. Sie ist gratis - eine Ausnahme in Frankreich.

Kenneth Nars

Wenn man in Frankreich mit dem Auto auf der Autobahn unterwegs ist, wird das ein teurer Spass. Die Fahrt von Mulhouse nach Lyon zum Beispiel kostet rund 30 Euro. Das ist fast so viel wie die Schweizer Autobahnvignette für das ganze Jahr. Am 1. Februar werden die Tarife zudem um bis zu vier Prozent erhöht. Anders sieht das bei unseren direkten Nachbarn aus. Die rund 140 Kilometer von Basel nach Strassburg sind gratis, eine péage, wie die Zahlstellen genannt werden, gibt es nur für wenige Kilometer nördlich von Strassburg oder westlich von Mulhouse.

Die elsässische A 35 wurde seit den sechziger Jahren regelmässig in kleinen Schritten ausgebaut, vom Staat finanziert und nie wie die vielen anderen Autobahnen öffentlich ausgeschrieben. Anders wäre das bei der 24 Kilometer langen Westumfahrung von Strassburg. Sie wäre gebührenplichtig, aber das Jahrzehnte alte Projekt wurde aufgrund des heftigen Widerstands von Umweltschützern und angrenzenden Gemeinden immer noch nicht umgesetzt.

Ich habe ein Auto, rate aber jedem, sich die Fahrt nach Strassburg auf der übervollen Autobahn nicht anzutun. Seitdem die Deutschen 2005 eine Maut für Camions eingeführt haben, gibt es auf der Strecke viel Ausweichverkehr von Lastwagen. Die Zugverbindung von Basel funktioniert ausgezeichnet. Probleme gibt es allerdings, wenn man abends wieder nach Hause will. Der jeweils letzte Zug nach Basel Bahnhof SBB fährt einfach zu früh ab: Strassburg 21.21 Uhr, Colmar 21.53 und Mulhouse 22.16 Uhr.

In der Schweiz gibt es seit 1985 eine Autobahn-Vignette. Bis 1994 kostete sie 30 Franken, um dann auf 40 Franken aufzuschlagen. Die geplante Erhöhung auf 100 Franken hat das Volk 2013 verworfen. Insbesondere von ausländischen Autofahrern angewandte Tricks, die Vignette nur provisorisch zu befestigen, sind nicht zu empfehlen. Darauf steht eine Busse von 200 Franken.

Voraussichtlich ab 2019 werden die Autofahrer für die deutsche Autobahn, die bisher gratis war, zahlen müssen. Der Preis variiert je nach Umweltstandard des Autos. Die teuerste Vignette für ein Jahr kostet 130 Euro. Man kann allerdings auch günstigere Vignetten für zehn Tage oder zwei Monate erwerben.

Das Maut-Projekt ist durch alle parlamentarischen Instanzen und die EU hat ihr Einverständnis erklärt. Allerdings klagen Österreich und die Niederlande vor dem Europäischen Gerichtshof dagegen. Sie bemängeln, dass nur die ausländischen Autofahrer zur Kasse gebeten werden. Aber freuen Sie sich nicht zu früh: Bis zu einem Urteil können anderthalb Jahre vergehen und der Prozess hat keine aufschiebende Wirkung.