Basler Kommentar
Die Innenstadt wird zur Schaufenstermeile

Quo vadis Innenstadt, oder wie soll es weitergehen mit Basel und seinen Läden? Langsam ebbt das schwerwiegende Problem ums «Züridütsch» des neuen FCB-Trainers wieder ab, und wir können uns wieder Themen widmen, die Basel deutlich mehr bewegen sollten

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Gedränge in der Freien Strasse.

Gedränge in der Freien Strasse.

Juri Junkov

Kürzlich hat sich sogar die NZZ in einer empfehlenswerten Beilage diesem Thema gewidmet. Was kommt da auf uns zu? Gibt es in Bälde nur noch ein paar grosse Detaillisten mit oranger Farbe, die sich die horrenden Mieten in der Innerstadt leisten können? Welcher Detaillist kann sich die Mieten noch leisten, wenn die Umsätze aus zwei Gründen einfach wegbrechen? Der erste happige Anlass zur Besorgnis hat der 15. Januar geboten mit dem Frankenschock. Dies wird schweizweit – insbesondere bei exportorientierten Unternehmen – seine Spuren hinterlassen, etwas verzögert vermutlich.

Ganz anders bei unseren Geschäften in Basel, die direkt und schnell dem Gegenwind ausgesetzt worden sind. Eurokurs weitergeben ist okay und gut, macht auch Sinn und wird sicher einige Kunden vom EU-Shopping zurückhalten. Aber sollten eigentlich die Vermieter von Ladenlokalitäten den kleinen Unternehmer nicht helfen, diesen Schock zu verdauen und die Ladenmieten dem Euro anzupassen? Ich bin überzeugt, dass eine solche Geste sehr viel bewirken könnte, aber trotzdem völlig illusorisch ist. Schliesslich würde dies dem freien Markt völlig widersprechen und hätte sozialistische Züge, die ich so gar nicht goutieren möchte. Die Frage sei trotzdem erlaubt: Was werden die Hausbesitzer tun, wenn sie keine Mieter mehr haben, welche die horrenden Mieten berappen können und möchten? Fallen dannzumal die Preise, oder finden sich in diesen Lokalitäten anstatt wichtiger Detaillisten plötzlich vorwiegend clevere Restaurateure mit In-Beizen? Würde Basel auch etwas beleben ...

Der zweite Grund ist der Onlinehandel. Gemäss Statistiken nehmen die Käufe über Internet auch künftig noch sprunghaft zu. Dies leider vorwiegend auch über ausländische Unternehmen, die hinlänglich bekannt sind und ihre Mitarbeitenden nicht eben grosszügig entlöhnen und auch schlecht behandeln. Es bleibt also noch für eine kleine Klientel der Weg in die Stadt, solange zum Beispiel das Kleidergeschäft noch da ist.

Der Onlinehandel wird so schnell nicht wieder zurückgehen, dazu leben wir zu sehr in einer neuen Welt, der digitalen Internetwelt, wo fast alles möglich ist. Es wird bald alles, sogar auch frische Lebensmittel, online angeklickt und gekauft mit einem kleinen Makel: Die Ware, die man online shoppen möchte, sieht man nicht in echt – die Farben und weitere Details sind im Internet sehr oft nicht genau ersichtlich und täuschen.

Darum gehen heute die potenziellen Onlinekäufer gerne in die Stadt oder in Shoppingcenter (wo man noch mit dem Auto hinfahren und sogar parkieren kann) und schauen sich die Produkte 1:1 an, bedanken sich artig im Laden für die Auskunft – und ab an den PC. Gekauft wird dann zu Hause: günstiger, die gleichen Produkte online mit irgendwelchen Zusatzrabatten und «Eurogewinn».

Geschäfte, die nur noch dazu da sind, die Ware zu präsentieren, werden es schwer haben in Zukunft. Die Mitarbeitenden können am Ende des Tages kaum mehr Umsatzzahlen vorweisen. Und was dann passiert, ist wohl allen klar. Aber auch die Hausbesitzer, die kaum mehr Interessenten vorfinden werden, müssen über die Bücher. Vielleicht finden sich innovative und schlaue Grosskonzerne, welche die Läden als Schaufenster benutzen, damit ihre Onlinekäufer die Produkte kurz sichten können, hinter Glas im «Onlineschaufenster» der Zukunft. Wie will man diesen Trend stoppen? Guter Rat ist teuer, sehr teuer!

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