Kommentar
Die Polizei hat kein Ausländerproblem

David Sieber
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Der Fall des Polizei-Spitzels wird extern untersucht.

Der Fall des Polizei-Spitzels wird extern untersucht.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Der Fall Y. wird extern untersucht. Das ist auch dringend nötig, nachdem die Polizeispitze Hinweisen des Nachrichtendienstes des Bundes offensichtlich nur halbherzig nachgegangen ist und es nicht einmal für nötig befunden hat, den Chef, Regierungsrat Baschi Dürr, zu informieren. Noch stellt sich der Justizdirektor hinter seinen Polizeikommandanten. Mit Betonung auf «noch».

Sollte die Untersuchung nicht nur ergeben, dass der mittlerweile festgenommene Polizeibeamte Y. tatsächlich Erdogan-kritische Personen regelrecht ausspioniert hat, sondern auch, dass man ihn wider besseres Wissen gewähren liess, dann wird es eng für Kommandant Gerhard Lips.

Das ist die eine Seite der Affäre. Die andere, gesellschaftspolitisch viel wichtigere, tritt nun ans Tageslicht. Wäre der mutmasslich Fehlbare, sagen wir, ein Neo-Nazi oder ein Verschwörungstheoretiker, zugleich aber «richtiger» Schweizer, dann würde mit Sicherheit nicht dieses unappetitliche Süppchen gekocht werden, wie es nun die vereinigten Ideologen von rechts versuchen.

Aus dem vorliegenden Einzelfall ein generelles Problem abzuleiten, ist schlicht unlauter. Oder ganz konkret: Die Doppelbürgerschaft abzuschaffen, die Besetzung von sicherheitsrelevanten Stellen ans Schweizer Bürgerrecht zu koppeln sowie die Stellen in der Basler Verwaltung ausschliesslich mit Einheimischen zu besetzen, wie das unter anderem die SVP nun fordert, ist Politpopulismus vom Übelsten.

Ist es nicht gerade die Basler Polizei, die durch die Beschäftigung von Ausländern, auch Doppelbürgern, einen vorbildlichen Weg geht? Einem entwurzelten jungen Rabauken kann ein Landsmann oder eine Landsfrau in Uniform doch viel besser beikommen. Die Behörden haben kein Ausländerproblem. Aber möglicherweise Führungs- und Aufsichtsprobleme.

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